Sonntag, 23. April 2017

Gewinnspiel zum Welttag des Buches 2017


Alle Jahre wieder, zum Welttag des Buches, gibt es die schöne Aktion "Blogger schenken Lesefreude". Und wie in jedem Jahr, so beteilige ich mich auch heuer wieder mit einem kleinen Gewinnspiel. Diesmal gibt es drei Bücher zu gewinnen. Wie könnte es auch anders sein, so liegt auch bei meinem Gewinnspiel der Schwerpunkt auf dem Genre der historischen Romane, denn sie liegen mir besonders am Herzen. 
Aber auch an den Nachwuchs habe ich diesmal gedacht, denn die meisten Leseratten hatten bereits in jungen Jahren viel Kontakt zu Büchern. 

Buch Nr. 1: "Die Rebellin von Mykonos" von Martina Kempff

Buch Nr. 2: "Eine Liebe in Luxor" von Kate Pullinger

 Buch Nr. 3: "Katzenkinder und Mäusebabys" von Enid Blyton

Was müsst ihr tun, um eines der Bücher zu gewinnen?
Füllt das Formular unten in diesem Beitrag aus (als Betreff bitte "Welttag des Buches 17" angeben) und verratet mir, welches der Bücher, die ihr vom 1. Januar 2017 bis jetzt gelesen habt, euer bisheriges Jahres-Highlight war.
Bitte gebt auch an, für welches der drei Bücher (oder vielleicht auch für zwei oder alle drei) ihr ins Lostöpfchen springen möchtet. Wenn ihr in alle Lostöpfe springen möchtet, schreibt bitte dazu, welches Buch euch im Gewinnfall am wichtigsten wäre.


Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:

  • Teilnehmen kann jeder über 18, mit einer gültigen Postadresse in Deutschland oder Österreich. 
  • Voraussetzung für einen Platz im Lostöpfchen ist die vollständige Ausfüllung des Teilnahmeformulars.
  • Man kann auch für alle drei Bücher in den Lostopf hüpfen, aber jeder Teilnehmer hat nur die Gewinnchance auf eines der Bücher.
  • Wer mir auch hier unter dem Beitrag einen kleinen Kommentar hinterlässt, in dem ihr eure Antwort auf meine oben genannte Frage schreibt, bekommt einen extra Punkt.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Alle mir überlassenen Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel verwendet und anschließend von mir gelöscht.
  • Es werden alle Kommentare und ausgefüllten Formulare berücksichtigt, die bis zum 30. April 2017 um Mitternacht bei mir ankommen. Am 1. Mai ermittle und benachrichtige ich die Gewinner und gebe sie hier auf dem Blog bekannt.
Und nun wünsche ich allen Teilnehmern viel Glück!


foxyform

Dienstag, 18. April 2017

Die heimliche Heilerin - Ellin Carsta


Heidelberg 1388: Die Hauptperson des Romans ist die junge Madlen. Sie ist Halbwaise, denn die Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Sie und ihr Bruder leben bei ihrem Vater, der Madlen möglichst gewinnbringend verheiraten möchte, denn er hat Geldsorgen.
Madlens große Leidenschaft ist es, anderen Menschen zu helfen. Bei der Hebamme Clara , die ihr ein wenig die Mutter ersetzt, lernt sie alles über Geburten, Frauenleiden und Heilkräuter. Zufällig entdeckt Madlen, dass sie die Gebärenden mit Hilfe gesprochener Psalmen und Kerzenlicht beruhigen kann. Sie und Clara bewahren jedoch Stillschweigen über diese Methode, denn würde dies öffentlich, könnte es der jungen Frau als Hexenwerk ausgelegt werden.
Als ihre Mentorin durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben kommt, vergräbt sich Madlen in ihrer Trauer, bis sie eines Tages gebeten wird, einer Patrizierin zu helfen. Als sie die Frau untersucht, wird ihr schnell klar, dass Adelhaid Trauenstein misshandelt wurde, wie es aussieht, von ihrem eigenen Ehemann. Sie tut ihr Möglichstes, und Adelhaids Leben kann Madlen retten, das Kind wird jedoch tot geboren.
Wenig später wird sie zum Stadtvogt gerufen und fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass Matthias Trauenstein Madlen angeklagt hat, sie hätte das neu geborene Kind mit Kräutern vergiftet. Von Seiten des angesehenen Patriziers schlägt ihr blanker Hass entgegen, und sie muss vor Gericht für die Wahrheit, Gerechtigkeit und ihr Ansehen kämpfen. Aber auf dem langen, beschwerlichen Weg, der vor ihr liegt, begegnet sie nicht nur Misstrauen und Vorurteilen, sondern sie lernt auch Menschen kennen, die ihre heilerischen Fähigkeiten ehrlich schätzen, ihr Zuneigung entgegenbringen und denen sie vertrauen kann.

Mit Madlen hat dieser Roman eine starke Frauenfigur, deren größter Wunsch ist, anderen Menschen zu helfen. Sie hat die Fähigkeit zu heilen und setzt diese ohne zu zögern ein. Ihre Gutmütigkeit wird ihr dabei mehrmals fast zum Verhängnis.
Sehr plastisch ist die Situation der Frauen im 14. Jahrhundert dargestellt. Man erfährt viel über die damaligen Heilmethoden und auch über das Rechtssystem, insbesondere die Rechte der Frauen, zur damaligen Zeit. Man erkennt, wie schwierig es für eine Frau war, damals einen Beruf auszuüben. In manchen Städten war dies schier unmöglich, wenn man keinen Ehemann hatte, der die Geschäfte offiziell führen konnte.
In der Handlung geht es daher stark um Fragen der Emanzipation zu dieser Zeit. Die Probleme, die sich ergaben und der Zwiespalt, in den die betroffenen Personen kamen, werden lebendig und glaubwürdig dargestellt. Aber es ist nicht nur ein fesselnder historischer Roman um eine Heilerin, die sich behaupten muss, sondern es ist zugleich ein mittelalterlicher Krimi, der viel Spannung zu bieten hat.

Ich hatte im Vorfeld schon viel Positives über „Die heimliche Heilerin“ gehört, und auch mich konnte dieser Roman von Ellin Carsta überzeugen. Er liest sich flüssig und kurzweilig, und ich kann ihn allen Liebhabern historischer Romane empfehlen.

👍👍👍👍👍



Sonntag, 16. April 2017

Frohe Ostern

Ein frohes, gesegnetes Osterfest 
wünsche ich euch allen, meine Lieben. 
Habt eine schöne Zeit und genießt die freien Tage.


Dienstag, 4. April 2017

Wo ist denn das Osterei? - Kerstin M. Schuld


Die Hasenkinder Fips und Frida sind ganz aufgeregt, denn sie dürfen sich als Osterhäschen betätigen und die Eier bunt bemalen. 
Auch wenn am Anfang einiges nicht ganz klappt, so sind Fips und Frida doch mit Feuereifer und viel Freude bei der Sache. Dann müssen die fertig bemalten Eier auf den Bollerwagen hinterm Haus geladen werden. Dabei fällt auf, dass ein buntes Ei fehlt. Alle machen sich auf die Suche, auch die befreundeten Tiere, die vorbeikommen, helfen mit. Aber dann wird das Ei glücklicherweise rechtzeitig gefunden, und die Hasenfamilie kann sich auf den Weg machen, denn es gibt viel zu tun; alle bemalten Eier müssen verteilt werden.

Das ist ein wunderschön und liebevoll gestaltetes Osterbüchlein, an dem schon die Jüngsten ihre Freude haben werden. In Reimform wird die kleine Geschichte erzählt, was bei Kindern immer gut ankommt. Besonders attraktiv wird das Bilderbuch durch die glitzernden Akzente, die nicht nur das Coverbild schmücken, sondern auch das besondere Ei hervorheben, das plötzlich verschwindet. Es ist blau-rot gestreift, und die roten Streifen glitzern wunderschön, so dass die Betrachter des Buches beim Umblättern auf jeder neuen Seite "ihr" Ei sofort entdecken. So ganz nebenbei kann man die bemalten Eier auf jeder Seite auch gemeinsam mit den Kindern suchen und zählen. Die fröhlich bunten Bilder mit den bemalten Eiern laden auch dazu ein, die verschiedenen Farben kennenzulernen und zu benennen. Auch sonst gibt es noch einiges auf den einzelnen Seiten zu entdecken, denn wie schon gesagt, kommen auch einige Tiere vorbei und helfen bei der Eiersuche mit. 
So bietet dieses bezaubernde Osterbilderbuch jede Menge Gesprächsstoff zwischen Zuhörern und Vorlesern. Als kleines Ostergeschenk kann ich es sehr empfehlen.


🐰🐰🐰🐰🐰


Montag, 3. April 2017

Montagsgedanken - Ellen Nieswiodek-Martin (Hrsg.)

Ein Buch mit dem Titel „Montagsgedanken“, da ist es naheliegend, dieses auch an einem Montag vorzustellen. Die Herausgeberin, von der ich bereits „Im Vertrauen weitergehen“ vorgestellt habe, hat auch hier wieder kleine Geschichten von ganz unterschiedlichen Frauen jeden Alters und aus verschiedenen Lebensbereichen gesammelt und in diesem schön gestalteten Bändchen veröffentlicht.
Die Aufmachung des Buches ist bezaubernd, das muss ich gleich zu Beginn erwähnen! Die Gestaltung des Einbands ist wunderschön und stimmungsvoll und wird von dem silberfarbenen Buchrücken mit türkisfarbener Metallic-Schrift bestens ergänzt. Jede der enthaltenen Geschichten hat ein sich wiederholendes Tassenmotiv als kleine Illustration über dem Titel. Die Idee, hier gerade 52 Geschichten in einem Band zu veröffentlichen, ist prima und sinnvoll, denn so kann man das Büchlein auf dem Nachtkästchen deponieren und jede Woche des Jahres mit einer neuen kleinen Geschichte am Montagmorgen starten.
In den kurzen Erzählungen, die meist über zwei bis drei Seiten gehen, berichten Frauen aus ihrem eigenen Alltag, erzählen von ihren Problemen oder Zweifeln und wie sie diese lösen konnten oder sprechen über ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrem Glauben und mit Gott. Es sind kleine Episoden, die zum Nachdenken anregen, die Mut machen und inspirieren. Es sind gute Gedanken, stets auch durch einen passenden Bibelspruch ergänzt, auf den sich die jeweilige Geschichte bezieht.
„Damit Montage zu Lieblingstagen werden“, das ist der Wunsch der Herausgeberin. Mit diesen liebenswerten Geschichten ist schon einmal ein guter Start am Montag garantiert, und mit einem Blick auf das ordentliche Regal, wo Tassen und Müslischalen gut sortiert stehen und aufs Frühstück warten, starte ich „aufgeräumt“ in die neue Woche.

Ich finde, dieses schöne Buch eignet sich auch sehr gut als kleines Geschenk für eine gute Freundin oder einfach für einen Menschen, der einem nahe steht.
Kleiner Tipp: Schaut doch mal ins Lydia-Lädchen, dort gibt es nicht nur viele gute Geschenkideen, sondern auch regelmäßig neue "Montagsgedanken".


Samstag, 1. April 2017

Das war mein Lesemonat März 2017

Der März hat mir eine bunte Bücher-Auswahl beschert. 
Ich habe insgesamt acht Bücher gelesen, das waren 2648 Seiten. Also sind auch wieder acht Euro in meine Spar-Eule gewandert. 


Drei Rezensionen stehen noch aus und werden erst in den nächsten Tagen erledigt. Ich muss gestehen, dass ich momentan zwar keine Leseflaute, aber dafür eine Rezi-Flaute habe, was vermutlich daran liegt, dass mir so viel anderes im Kopf herumschwirrt. Das erste Viertel des Jahres war ganz schön stressig und hatte schon einige Aufregungen parat, und das wird vermutlich noch einige Zeit so weitergehen. Auf jeden Fall werden die Rezensionen in den nächsten Tagen nachgereicht, versprochen!

Es waren wieder einige wunderbare Bücher dabei. Enttäuschung gab es eigentlich gar keine, wie ihr ja an meinen vielen Sternen, die ich vergeben habe, schon sehen könnt.
Es ist mir gar nicht leicht gefallen, mich für einen absoluten Monatsfavoriten zu entscheiden, aber nach reiflichen Überlegungen ist es dann "Die heimliche Heilerin" geworden. Das war mal wieder so ein richtiger Pageturner, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Ausführlicher werde ich noch in meiner Rezension darüber berichten.




Und nun zu meinen Neuzugängen. "Die Blütensammlerin" von Petra Durst-Benning ist die Fortsetzung zu "Kräuter der Provinz" und "Das Weihnachtsdorf". Da mir beide Romane sehr gefallen haben, lese ich natürlich gerne weiter und bin gespannt, was der dritte Band der Maierhofen-Reihe zu bieten hat. 
"Die heimliche Heilerin und die Toten" habe ich bei Lovelybooks gewonnen. Zuerst dachte ich, es gibt eine Leserunde dazu, dann wäre ich gleich mit diesem Band (der bereits der dritte um die heimliche Heilerin ist) eingestiegen. Die beiden vorherigen Bände hatte ich schon hier stehen, und nachdem es sich rein um eine Buchverlosung gehandelt hat, habe ich beschlossen, die drei Bücher hintereinander in der chronologischen Reihenfolge zu lesen. Momentan habe ich Band 2 (Die heimliche Heilerin und der Medicus) angefangen.

Mit dem Manuskript auf dem unteren Foto hat mir der März ein weiteres Highlight beschert. Ich darf den neuen Roman von Rebecca Gablé, im Rahmen einer Vorab-Leserunde bei der Lesejury, lesen! Am Montag geht es los, und ich freue mich riesig, denn als großer Fan der Bücher von Rebecca Gablé bin ich schon sehr gespannt auf das Manuskript, das stolze 762 Seiten umfasst. Ich finde das Konzept der Leserunden bei Lübbe sehr gut, denn da gibt es insgesamt vier große Abschnitte, die jeweils wöchentlich gelesen werden. Das gefällt mir sehr, weil alle gemeinsam lesen und sich wöchentlich zeitnah austauschen. Auf diese Weise sind die Leserunden viel entspannter, weil keiner das Gefühl hat, Nachzügler zu sein. Ich werde dann noch ausführlich über den Roman berichten, bei dem es sich übrigens um die Fortsetzung zu "Das Haupt der Welt" handelt.


Ich wünsche euch allen einen schönen April und tolle Bücher sowie immer ein gemütliches Plätzchen zum Lesen.

Freitag, 31. März 2017

Die Nachtigall - Kristin Hannah



Der Roman schildert das Schicksal zweier Schwestern während der Zeit des zweiten Weltkriegs. Vianne und Isabelle sind Französinnen und müssen miterleben, wie ihr Heimatland immer mehr von den Deutschen eingenommen wird.
Die Mutter der Schwestern ist früh gestorben, und der Vater hat seine beiden Töchter abgeschoben, möchte nichts von ihnen Wissen. Isabelle und Vianne sind zwei gegensätzliche Charaktere, und so verschieden wie sie sind, so unterschiedlich gehen sie auch die Probleme ihrer Zeit an.
Viannes Mann wird irgendwo in Deutschland in einem Kriegsgefangenenlager festgehalten. So ist sie auf sich allein gestellt und setzt ihre ganzen Bemühungen ein, die schwere Zeit zusammen mit ihrer Tochter zu überleben. Sie ist kein mutiger Mensch, sondern sehnt sich einfach nur nach Frieden und wünscht sich, ihr Mann möge zurück kommen. So versucht sie, sich anzupassen und möglichst unauffällig zu bleiben. Aber je länger der Krieg andauert, umso öfter gerät sie in brisante Situationen und macht auch Fehler im Umgang mit den deutschen Besatzern. Aber sie wächst letztendlich über sich selbst hinaus und beweist eine Stärke, von der sie selbst nicht gewusst hatte, dass sie in ihr steckt.
Ihre jüngere Schwester Isabelle ist eine Rebellin. Als sie, auf der Flucht vor den Deutschen, Paris verlässt, um zu Vianne zu gelangen, lernt sie Gäeton kennen. Der junge Mann ist ein Kämpfer der Résistance. Ohne zu zögern schließt sich Isabell dieser Bewegung an. Später macht sie als die „Nachtigall“ von sich reden. Sie führt abgeschossene Piloten der Alliierten über die Pyrenäen in die Freiheit. Keiner weiß, wer sich hinter dem Namen verbirgt, aber die Deutschen setzen alles dran, die geheimnisvolle Nachtigall zu finden.

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt und das Cover betrachtete, hatte ich noch eine völlig andere Vorstellung vom Inhalt. Der filigrane Zweig, auf dem die goldfarbene Nachtigall sitzt, deren Körper zugleich eine Ansicht von Paris im Sonnenuntergang zeigt, hat mich auf eine ganz andere Geschichte schließen lassen.
Erhalten habe ich das Buch überraschend, im Zuge einer Lovelybooks-Aktion, von der ich hier: http://klusiliest.blogspot.de/2016/08/uberraschungspost-von-lovelybooks-die.html berichtet habe.
Auch das ganze Beiwerk, die Goldplättchen im Paket, die goldene Feder als Lesezeichen, das alles deutete für mich eigentlich eher auf eine romantische Geschichte hin. Aber von Romantik ist im Roman ganz und gar nichts zu spüren. Zu hart und grausam ist die geschilderte Zeit, in der für die Liebe und für alles Schöne kein Platz war.
Anfangs hatte ich diverse Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu kommen. Ungefähr das erste Drittel hat sich für mein Empfinden etwas gezogen. Aber dann passiert so viel, die Ereignisse überschlagen sich, und man möchte immer nur weiterlesen, wird völlig von der Handlung vereinnahmt. Die Charaktere der Schwestern haben mir beide sehr gut gefallen, obwohl (oder gerade weil) sie so unterschiedlich sind. Vianne ist eher zurückhaltend in ihrer Art. Sie versucht, ihre Tochter zu beschützen und schlägt sich durch, im täglichen Kampf um die notwendigsten Dinge zum Überleben. Ich konnte sie gut verstehen, und so wie ihr, ging es sicher vielen Frauen damals. Sie wagt nicht, aufzubegehren, als ein deutscher Hauptmann bei ihr einquartiert wird. Isabelle, die zu dieser Zeit gerade bei ihrer Schwester im Haus lebt, kann sich nicht damit abfinden und sucht ständig die Konfrontation. Ihr Benehmen macht Vianne Angst, denn sie befürchtet, ein falsches Wort könnte sie alle in Gefahr bringen.
Bei Isabelle wusste ich teilweise nicht, ob ich ihren ungeheuren Mut bewundern oder über ihre draufgängerische Art den Kopf schütteln sollte.
Zwar spielt auch die Liebe bei den Protagonisten eine Rolle, aber diese ist in Zeiten des Kriegs ungewiss. Besonders an Isabelles Beispiel zeigt sich das sehr deutlich. Gerade ihr Schicksal hat mich letztendlich tief berührt.
Über die Zeit des zweiten Weltkriegs aus dieser Perspektive hatte ich vorher noch nicht viel erfahren Die meisten Berichte, die ich vorher gelesen hatte, spielten direkt in Deutschland oder waren aus dem Blickwinkel von Menschen, die einer damals verfolgten Bevölkerungsgruppe angehörten. Das Ausmaß des Leidens und der Einschränkungen der Bevölkerung Frankreichs während des Kriegs war mir bisher nie so bewusst geworden.
Kristin Hannah hat in diesem Roman, der ihr eine Herzensangelegenheit war, wie sie selbst im Nachwort schreibt, all den Frauen ein literarisches Denkmal gesetzt, die sich damals für Frieden und Freiheit eingesetzt haben, jede auf ihre persönliche Art. Es gab sicher viele ähnliche Schicksale, denen dieser Roman ein Andenken setzt.

Ich kann nicht sagen, dass mir der Roman „gefallen“ hat, zu schrecklich sind die damaligen Ereignisse, die geschildert werden und die leider einen nur allzu realen Hintergrund haben. Aber die Geschichte hat mich beeindruckt, erschüttert und mitgerissen, und sie klingt immer noch nach.  

🌟🌟🌟🌟🌟


Montag, 27. März 2017

Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein - Thomas Frings


Klappentext:
Als Thomas Frings im Februar 2016 sein Amt als Pfarrer niederlegt, ins Kloster geht und diesen Schritt öffentlich erklärt, ist das Echo gewaltig. Nicht nur in den Medien, auch unter Amtsbrüdern und Gläubigen. Tausende Followers auf Facebook liken seinen Schritt. Sie spüren: Dort ist jemand, der nicht aus Trotz oder Angst, sondern aus tiefer Liebe zur Kirche eine solch schwere Entscheidung getroffen hat. Auch in seinem Buch redet Frings Klartext, benennt Missstände und gibt Einblick in sein Seelenleben als Pfarrer. Er kritisiert, zeigt aber auch neue Wege auf und liefert Erklärungen und Lösungsansätze. Für Thomas Frings ist klar: Kirche muss wieder mehr Kirche sein, wenn sie überleben will. Und: »Ich habe kein Problem. Ich bin voller Energie und liebe meine Kirche. Ich will nichts anderes sein als Priester. Aber so kann es nicht weitergehen.«
»Als ich schweren Herzens meine Gemeinde verlassen habe, da wurde ich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, der Hirte verlasse seine Herde. Doch musste ich in dem Moment nicht selber darauf reagieren, sondern ein älterer Herr ergriff das Wort und sagte: Das kann man selbstverständlich so sehen. Wenn jedoch auf den alten Wegen immer weniger Schafe mitgehen und man immer weniger weiß, wohin es gehen soll, dann muss es vielleicht auch Hirten geben, die die Herde einmal verlassen um vorauszugehen und nach neuen Wegen suchen.« (Thomas Frings)
»Was ich aber nicht verloren habe, ist der Glaube daran, dass es ein christliches Programm für unsere Gesellschaft gibt, für das es sich zu leben lohnt.« (Thomas Frings)

Mein Eindruck:
Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Ein Pfarrer legt sein Amt nieder und verlässt seine Gemeinde, um ins Kloster zu gehen. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, da sich viele Begriffe speziell auf die katholische Kirche beziehen bzw. nur dort zu finden sind, so ist mir doch die Thematik auch aus meiner evangelischen Gemeinde bekannt, und letztendlich ist die angesprochene Problematik konfessionsübergreifend. Mit leeren Kirchen haben wohl die meisten christlichen Gemeinden zu kämpfen. Der Autor berichtet, zum Teil recht humorvoll, wenn auch immer mit einem leichten Anflug von Sarkasmus, aus seinem Alltag als Gemeindepfarrer. Was er da so alles erlebt hat, lässt einen häufig mit dem Kopf schütteln, zu seltsam, manchmal regelrecht kurios, sind teilweise die Wünsche seiner Schäfchen.
Man hat den Eindruck, so mancher verwechselt seine Kirche mit einem Service- und Dienstleistungsbetrieb. Insofern kann ich die Klagen durchaus verstehen, und bei vielen Erläuterungen hat mir der Autor aus dem Herzen gesprochen.
Allerdings bin ich mir nun, nach Beendigung der Lektüre, nicht unbedingt sicher, ob die Entscheidung, sich aus dem Amt des Pfarrers zurückzuziehen, wirklich Sinn macht. Thomas Frings liebt seine Kirche, wie er schreibt. Er hat auch den Glauben an ein christliches Programm für die Zukunft anscheinend nicht verloren, und doch wirken seine Ausführungen zum Teil mutlos. Einerseits kann ich seine Reaktion gut verstehen, und sein Entschluss ist sicher nicht spontan gefallen. Aber da ist ja auch noch die Krux mit dem fehlenden Nachwuchs. Wie soll es weitergehen, wenn auch die erfahrenen Pfarrer aufgeben? Wenn das Beispiel des Autors Schule macht, haben wir bald nicht nur schrumpfende Gemeinden, sondern irgendwann gar keine mehr. Wäre es nicht besser, die Energie, die nötig war, dieses Buch zu schreiben, für Verbesserungen in der Zukunft umzusetzen? Wie Herr Frings schreibt, scheint seine Gemeinde (zumindest ein verständiger Teil davon) durchaus gut auf Kritik oder Vorschläge reagiert zu haben. Wäre es nicht besser, gerade für diese Gemeindemitglieder weiterhin verfügbar zu sein?
So ganz bin ich nicht dahinter gekommen, ob der Autor seinen Rückzug nur als befristete Auszeit sieht, oder als endgültige Entscheidung. Ersteres könnte ich durchaus verstehen, denn dann wäre das eine gute Gelegenheit Kraft zu sammeln, um dann mit neuer Energie und mit frischen Ideen zurück zu kehren.
So ganz hat dieses Buch meine Erwartungen nicht erfüllt, denn die Kritik ist durchaus nachvollziehbar und absolut berechtigt, aber ich hätte mir etwas mehr Vorschläge für Lösungsansätze gewünscht.

Ein Ärgernis war für mich bei der Lektüre das teilweise recht oberflächliche Lektorat. Da gab es viele Halbsätze, andere Sätze wurden völlig sinnfrei durch einen Punkt getrennt, und manche Formulierung war so umständlich, dass ich sie oft mehrfach lesen musste, um den korrekten Sinn zu erfassen. Diese Fehler im Text machen das Lesen nicht gerade zu einer reinen Freude.  
👍👍👍

Freitag, 17. März 2017

Unsere Hälfte des Himmels - Clarissa Linden



Die Rahmenhandlung dieses Romans spielt im Jahr 1971. Lieselottes Leben gleicht einem alten, abgetragenen Kleidungsstück. Es ist langweilig und farblos geworden. Mit ihrem Ehemann hat sie eigentlich nichts gemeinsam. Sie und Eduard leben mehr oder weniger desinteressiert nebeneinander her. Manchmal fragt sich Lieselotte, wie es so kommen konnte und ob sie ihren Mann eigentlich einmal wirklich geliebt hat. Immer häufiger hört oder liest sie, dass andere Frauen für ihre Rechte auf die Straße gehen und demonstrieren. Sie selbst hat nicht den Mut dazu.
Als Lieselotte einen Anruf erhält, dass ihre Mutter einen schweren Unfall hatte und im Koma liegt, ist sie völlig aufgelöst und fährt am nächsten Tag mit der Bahn nach Frankfurt. Ihr Mann bleibt in Kassel zurück. Ihm scheint die ganze Angelegenheit gleichgültig zu sein.
In Frankfurt wohnt Lieselotte in der Wohnung ihrer Mutter Amelie. Dabei lernt sie sehr bald die Nachbarin kennen, Marga, eine junge Stundentin, die mit ihrem Kater „Cat Balou“ gleich nebenan wohnt und mit der sich Lieselotte schnell anfreundet. Bei Marga findet sie Verständnis, und sie hofft, von ihr mehr über Amelie zu erfahren. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war immer distanziert, und für Lieselotte ist es kaum vorstellbar, dass die stets so starke Amelie nun hilflos und ohne Bewusstsein im Krankenhaus liegt. Als Lieselotte ein altes Foto entdeckt, hofft sie, mehr über die Vergangenheit und über das Schicksal ihres Vaters zu erfahren, worüber ihre Mutter nie gesprochen hat. Ihre Recherchen, die sie mit Margas Hilfe unternimmt, führen sie 36 Jahre zurück, und die Erkenntnisse, die sie über diese Zeit gewinnt, versetzen sie in Erstaunen. Nie hätte sie hinter Amelies kühler Art diese Lebensfreude und Leidenschaft zur Fliegerei erwartet, von der sie nun erfährt.
In diesen Rückblicken ins Jahr 1935 lernt man eine völlig andere Amelie kennen, eine junge Frau mit Träumen und Lebensplänen. Sie und ihre beste Freundin Hanni möchten Pilotinnen werden, was zur damaligen Zeit, unter dem Naziregime, nicht gerade einfach zu erreichen war. Aber die Freundinnen haben feste Vorsätze, die sie sich von niemandem zerstören lassen wollen. Als Amelie sich in Hannas Fluglehrer verliebt, gerät die Freundschaft der beiden jungen Frauen in eine Krise, die alle Beteiligten auf eine Tragödie zusteuern lässt.

In die Rahmengeschichte, die in den frühen 70er Jahren spielt, konnte ich geistig sofort eintauchen. Die Atmosphäre und den Zeitgeist von damals hat die Autorin wunderbar treffend dargestellt. Ich selbst habe das Jahr 1971 als Teenager erlebt und mich beim Lesen direkt wieder in diese Zeit zurück versetzt gefühlt, so gut und farbig ist sie beschrieben. An die erwähnten Musikstücke habe ich noch lebhafte Erinnerungen, und auch die Themen rund um die Frauenbewegung haben mich damals bereits beschäftigt. Wie stark beschränkt die Rechte einer Ehefrau damals noch waren, das wusste ich jedoch bisher nicht und habe es erst jetzt durch diesen Roman erfahren. Lieselottes Wandlung im Verlauf der Geschichte hat mir sehr gefallen, denn die Protagonistin steht für viele Frauen ihrer Zeit. Es musste erst einiges geschehen, sie aus ihrem Alltagstrott zu reißen und wachzurütteln.

Richtig dramatisch wird es jedoch in der Vergangenheit. Hier hat die Autorin einige äußerst brisante Themen verarbeitet. Die Fliegerei in der Geschichte ist ein faszinierendes Thema, das hier im Roman vielschichtig und mit all seinen Problemen dargestellt ist. Weibliche Berufsflieger entsprachen so gar nicht dem nationalsozialistischen Idealen, sondern wurden wohl eher als Exoten angesehen. Das Regime sah für Frauen eher ein gemütliches Heim, Mann und Kinder vor.
So gesehen kann ich mir schon vorstellen, dass Hanna den Weg zu ihrem Lebenstraum nicht in dieser Männerdomäne alleine gehen wollte. Erschütternd ist jedoch die Art und Weise ihres Vorgehens und die Erkenntnis, wie schnell freundschaftliche Verbundenheit und Zuneigung in besitzergreifende Eifersucht und sogar in Hass umschlagen kann.
Eigentlich nicht neu für mich, aber doch immer wieder bestürzend ist die Tatsache, wie wenig die Menschen zur Hitlerzeit über ihr eigenes Leben bestimmen konnten, wie stark sie unter Beobachtung standen, nicht nur Angehörige von „Randgruppen“ der Gesellschaft, sondern ganz normale Bürger. Es war eine Zeit, in der es schon gefährlich war, jemanden zu kennen, der dem Regime ein Dorn im Auge war, in dem schon ein einziges Wort todbringend sein konnte.

Dies ist ein vielschichtiger Roman, denn er beleuchtet nicht nur zwei interessante Zeitabschnitte des 20. Jahrhunderts, sondern greift viele besondere Themen auf. Hier erfährt man über ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis, das von der Vergangenheit belastet ist, und man erlebt eine junge Frau, die hin und her gerissen ist, zwischen der besten Freundin, ihrem Zukunftstraum und der Liebe ihres Lebens und wie sie an dieser Zerrissenheit fast zerbricht.

Somit bietet dieser Roman nicht nur beste, hochwertige Unterhaltung, sondern daneben auch viel Gesprächsstoff und Themen, über die man noch lange nachdenkt. Da es bei beiden Handlungssträngen sehr stark um die Frauenbewegung geht, denn auch die mutigen Fliegerinnen aus den 20er und 30er Jahren sind bereits Vorreiter der Emanzipation gewesen, passt dieses Buch für mich besonders gut in den März, den Monat, in dem auch alljährlich der Weltfrauentag begangen wird.  

👍👍👍👍👍


Donnerstag, 16. März 2017

Neuzugänge in der ersten Märzhälfte


Wie gewohnt zeige ich euch zur Monatsmitte schon mal die Bücher, die bisher im März neu bei mir eingezogen sind.
Die oberen drei Bücher sind Rezensionsexemplare, mit denen ich gerechnet habe. Wie könnte es auch anders sein, sind es drei historische Romane. "Die Liebe in diesen Zeiten" spielt während des zweiten Weltkriegs in England. "Der grüne Palast" entführt den Leser nach Wien, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Soviel ich bisher weiß, ist der Roman weitgehend in Brief-Form geschrieben. Ich bin gespannt. Bei "Weiße Rosen und die Titanic" ist eigentlich schon vom Titel her einigermaßen klar, worum es geht. 😉 
Die beiden Bücher unten links und in der Mitte habe ich vom Verlag überraschend zugesandt bekommen und kann noch gar nichts weiter dazu sagen. Es wird auch eine Weile dauern, bis ich dazu komme, die Bücher zu lesen, denn die angekündigten Rezensionsexemplare haben nun mal Vorrang. "Assassino" habe ich als Überraschungsbuch über die Facebook-Gruppe erhalten. 
Das war's auch schon für heute. Ich gehe dann mal wieder lesen. 😉

Mittwoch, 8. März 2017

Die Irak-Mission - Carola Wegerle


Klappentext:
Dieser spannende Roman führt Sie mitten in den Nahen Osten:
Im Nordirak explodiert ein Militärflugzeug und stürzt brennend in ein kurdisches Waisenlager. Hunderte Kinder sind schwer verletzt. Ibrahim, der einzige Arzt vor Ort, ist mit den vielen Verletzten hoffnungslos überfordert. Er bittet die junge Chirurgin Claire, ihm zu helfen. Obwohl sie das Trauma ihres ersten Auslandseinsatzes in einem Krisengebiet noch nicht verarbeitet hat, lässt sie sich darauf ein. Dabei gerät die Ärztin zwischen die Fronten eines politischen Ränkespiels.

Mein Eindruck:
Der Roman ist im Präsens geschrieben, und diese Schreibweise bringt mir eine Geschichte immer besonders nahe. Bildhaft und sehr authentisch schildert die Autorin die Ereignisse im Nordirak, wohin die Chirurgin Claire dem Hilferuf eines alten Freundes folgt. Als sie nach Ibrahims Anruf aufbricht, um ihn in Kirkuk bei der Versorgung der vielen verletzten Kinder zu unterstützen, weiß sie noch nicht, auf was sie sich da einlässt, denn ihre Mission ist einerseits wichtig, aber auch sehr gefährlich.
Drei Frauen begleiten sie, um mit ihr zu arbeiten. Doch bereits auf dem Weg nach Kirkuk ergeben sich ungeahnte Hindernisse und Gefahren.
Zur gleichen Zeit ist auch ein Mitarbeiter des BND unterwegs in den Irak. Robert hat eine besondere Mission zu erfüllen und spielt eine wichtige Rolle im Roman.
Und da ist dann noch Gulala, die ebenfalls einige Zeit in Deutschland lebte und seit dieser Zeit mit Ibrahim befreundet ist. Gulala ist eine sympathische, intelligente Frau, aber seit ihrer Heirat lebt sie weitgehend isoliert. Rizgar, ihr Mann, ist nicht an ihrer Meinung interessiert und sieht ihren Platz einzig und allein im Haus. So ist sie in erster Linie für ihre Söhne da und schreibt heimlich brisante Berichte, die jedoch nicht zur Veröffentlichung kommen, da im Nordirak ein absoluter Funkstopp herrscht, denn der Flugzeugabsturz soll unter allen Umständen vertuscht werden.

Die Autorin hat einen sehr fesselnden, eindringlichen Schreibstil. Kirkuk ist in der Handlung ein Brennpunkt, wo viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen. Die Protagonisten arbeiten unter Lebensgefahr, sitzen quasi ständig wie auf einem Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann. Dass sie trotzdem tun, was getan werden muss, setzt ungeheuer viel Mut und Idealismus voraus. Sehr plastisch wird die Lage beschrieben, indem man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der verschiedenen Charaktere erhält. Die Geschichte ist so packend dargestellt, dass sie mich bis in meine Träume verfolgte.
Sie bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken. Man erfährt hier eine Welt der Männer, die getrieben sind von Ehre, Rache und Machthunger und dies alles mit Brutalität und Waffengewalt erzwingen wollen. Obwohl Frauen in diesem Gefüge nach außen hin wenig zu sagen haben, liegt doch bei ihnen, in ihrem Wunsch nach Frieden, die wahre Stärke, eine große, unerschütterliche Kraft, die alles vorantreibt und tatsächlich etwas bewirkt.

Diese weibliche Urkraft, die Carola Wegerle in ihrem Roman sehr deutlich zum Ausdruck bringt, ist für mich die schlüssige und wichtige Aussage der Geschichte. Aus diesem Grund ist meines Erachtens heute, am internationalen Frauentag, der perfekte Zeitpunkt, meine Rezension zu veröffentlichen.

👍👍👍👍👍


Dienstag, 7. März 2017

Das Gut in der Toskana - Margot S. Baumann


Die Familie di Rossi betreibt in Frankfurt ein Bestattungsunternehmen. Als die Nachricht eintrifft, dass der Großvater, der in der Toskana lebt, einen Schlaganfall erlitten hat, macht sich Enkeltochter Allegra auf die Reise, ihn zu besuchen und zu unterstützen.
Giovanni di Rossi lebt auf dem Landgut seines Freundes Lorenzo Ferretti, in der Nähe von Montalcino. Hier arbeitete er bis zu seiner Pensionierung als Gärtner. Als Allegra auf dem Landgut in der Toskana ankommt, erwartet sie ein eher frostiger Empfang. Statt sich zu freuen, gibt sich ihr Großvater sehr mürrisch. Außerdem wird Allegra ständig mit der Gegenwart von Lorenzos Neffen konfrontiert. Als dieser erfährt, dass Allegra im Betrieb ihrer Familie mitarbeitet, spricht er von ihr nur nach als „Die Totengräberin“. Der attraktive Massimo gibt sich der jungen Frau gegenüber arrogant und spöttisch, und die beiden geraten sich ständig in die Haare.
Die folgenden Ereignisse führen jedoch dazu, dass Allegra und Massimo an einem Strang ziehen müssen, und ihr Verhältnis ändert sich, denn gemeinsam sind sie einem Familiengeheimnis auf der Spur und wollen das damit verbundene Problem lösen. Dabei entdecken sie, dass nicht nur dieses Geheimnis sie verbindet, sondern dass eine starke Anziehungskraft zwischen ihnen besteht.

Ich liebe die Toskana, und so habe ich mich sehr neugierig auf diesen neuen Roman von Margot S. Baumann gestürzt. Die Autorin schreibt sehr lebendig und kurzweilig. Ihre Schilderungen ließen ein farbenfrohes Bild der toskanischen Landschaft vor meinen Augen entstehen, so dass mich beim Lesen schnell das totale Fernweh gepackt hat. Das beschriebene Landgut muss traumhaft sein,und man hegt den Wunsch, genau dort einmal Urlaub zu machen.
Allegra war mir von Anfang an sympathisch, und besonders die Art und Weise, wie sie sich mit ihrem kranken Großvater arrangiert, fand ich sehr schön und liebevoll. Massimo legt ein ziemliches Macho-Gehabe an den Tag, aber wenn man ihn näher kennenlernt und einiges über ihn und seine nahe Vergangenheit erfährt, kann man ihn in einigen Punkten verstehen. Er ist ein recht widersprüchlicher Charakter, und sein Ego hat schwer am Fehltritt seiner Verlobten zu knabbern. Er weiß nicht, ob er ihr diesen Vertrauensbruch verzeihen kann. Seit er Allegra kennt, vergleicht er sie ständig mit Carla und findet eine negative Eigenschaft nach der anderen, die seiner Meinung nach beide Frauen gemeinsam haben.
Die Schnelligkeit, mit der sich das Verhältnis zwischen Allegra und Massimo dann jedoch verändert, war für mich nicht so ganz glaubwürdig, denn beide haben innerhalb kürzester Zeit einen Gesinnungswandel um 180 Grad erfahren. Einerseits fand ich das Familiengeheimnis interessant, und ich habe mit Spannung verfolgt, wie die Protagonisten, die sich kurz vorher direkt feindlich gegenüber standen, plötzlich so gut zusammenarbeiteten. Auch gab es hier im Verlauf der Geschichte für mein Empfinden ein paar Zufälle zu viel.

Trotz meiner kritischen Anmerkungen habe ich den Roman aber sehr genossen, schon weil das Ambiente so wunderbar dargestellt ist. Die Autorin versteht es, zu fesseln, und so habe ich einige schöne und kurzweilige Lesestunden mit diesem Roman verbracht, denn die Geschichte ist fast wie ein Kurzurlaub im Kopf, man kann damit den Alltag ausblenden und wunderbar abschalten.

👍👍👍👍

Der Roman ist als eBook sowie auch als Taschenbuch erhältlich.

  

Dienstag, 28. Februar 2017

Das war mein Lesemonat Februar 2017

Im kurzen Monat Februar habe ich sechs Bücher gelesen, und ich kann sagen, sie waren alle gut bis sehr gut, jedes auf seine Art! Man kann hier wirklich sagen: Qualität vor Quantität. Es waren "nur" 1656 Seiten, aber die hatten es in sich.


Bei so schönen Büchern fällt wieder einmal die Wahl des Favoriten sehr schwer, und es war wirklich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen allen Fünf-Sterne-Büchern. Letztendlich fiel meine Wahl auf Tilman Röhrigs wunderbaren Roman, der für mich einfach die Nase vorn hatte. 


Und auch ein paar Neuzugänge kann ich noch vermelden.


"Scharfe Hunde" vonNicola Förg kam als Rezensionsexemplar. Ich habe kürzlich über die Neuerscheinung berichtet: Klick
"Der Ruf der Bäume" vonTracy Chevalier habe ich ertauscht, und
"Wainwood House - RachelsGeheimnis" von Sarah Stoffers sowie
"Das Sommerversprechen" von Elin Hilderbrand waren Überraschungsbücher aus meiner Facebook-Gruppe. Da bereits in der ersten Februarhälfte fünf neue Bücher bei mir eingezogen sind, hat sich wieder ziemlich viel Lesestoff angesammelt, aber bei manchen Büchern kann ich eben einfach nicht widerstehen. 😉

Gleich  drei meiner gelesenen Bücher haben durch ihr Cover oder den Titel schon ein wenig Frühling vermittelt. Ich hoffe, dass er auch wirklich bald einzieht, auch wenn es heute schon wieder geschneit hat. Aber die Natur lässt sich nicht mehr zurückhalten, und die ersten Frühlingsblüher spitzen schon. Ich wünsche euch, ihr lieben Leseratten oder Bücherwürmer da draußen, einen wundervollen März mit tollen Büchern und recht viel Lesezeit.







Atlas frei zum Abschuss - Martin Calsow



Klappentext:
»Bleib hier, so lange du kannst. In deiner Heimat hast du einen Vorteil: Du kennst das Spielfeld.« Sie klopfte ihm auf die Schulter. »Jagdzeit in Westfalen, Atlas.« Ihn lebend zu bekommen, ist einem mexikanischen Drogenkartell ein hohes Kopfgeld wert: BKA-Zielfahnder Andreas Atlas ist in seiner alten Heimatstadt im Teutoburger Wald untergetaucht, nachdem seine Tarnung als verdeckter Ermittler aufflog. Zu seinem eigenen Erstaunen fühlt er sich unerwartet wohl in der westfälischen Idylle. Der einzige Wermutstropfen: Er kommt nicht an seine unterschlagenen Millionen heran. Denn sein autistischer Ziehsohn Lars hat das Geld entdeckt und versteckt aus Angst, dass Atlas wieder weggehen könnte. Die Angst ist berechtigt: Einige Zwischenfälle und mehrere Tote später wird Atlas klar, dass die Mexikaner ihn gefunden haben ...

Mein Eindruck:
Das Buch lag nun einige Wochen auf meinem SuB. Es wurde mir überraschend zugeschickt, und als ich den Klappentext las, klang es so gar nicht danach, als könnte es mir gefallen. Aber wie man sich doch täuschen kann! Dieser Krimi hat mir mal wieder gezeigt, dass es gar nicht so verkehrt ist, sich ab und zu einem anderen Genre zuzuwenden, denn da kann man durchaus auch positiv überrascht werden.
Dies ist bereits der zweite Band um den BKA-Zielfahnder Andreas Atlas. Den ersten Teil habe ich nicht gelesen, hatte aber keinerlei Probleme, mich in die Handlung hinein zu finden. Trotzdem kann dieses Buch nicht für sich allein stehen, worauf ich am Ende der Rezension noch eingehen werde.
Atlas ist ein sympathischer Charakter, wirkt aber, bedingt durch seine Vergangenheit, etwas verloren in seiner alten Heimatstadt. Aber er hat auch Freunde wiedergefunden und lebt mit Grete, einer Lehrerin und ihrem autistischen Sohn zusammen auf einem alten Gutshof. Er hätte nie gedacht, dass er sich in der Gegend seiner Kindheit jemals wieder so wohl fühlen könnte. Eigentlich möchte er nur das Leben mit seiner Grete und mit Lars genießen und in Ruhe gelassen werden. Aber da gibt es noch das Problem mit den Millionen, die er bei seiner Flucht aus Mexiko zur Seite geschafft hatte. Sie waren seine Sicherheit, um irgendwo ein neues Leben anfangen zu können. Der autistische Lars, der sehr an Andreas hängt, hat jedoch den Koffer mit dem Geld versteckt, und Atlas weiß nicht, wohin.
Nun ist ihm auch noch das Drogenkartell auf den Fersen und bedroht nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der Menschen, die ihm nahe stehen. Eigentlich will er Grete nicht verlassen, aber um ihrer Sicherheit willen sieht er sich dazu gezwungen, denn das Drogenkartell hat einen Mann auf ihn angesetzt, der ihm bedrohlich nahe kommt und bei seinem Job über Leichen geht.

Martin Calsows Schreibstil ist sehr einnehmend und fesselnd. Dabei bringt er ab und zu auch eine Portion trockenen Humor in die an sich ernste Handlung ein. Man hat sehr intensives Kopfkino, wenn der Autor diverse Situationen so lebendig beschreibt, und bei manchen Szenen bleibt einem glatt vor Spannung die Spucke weg. Atlas, der nach außen hin gerne sein Pokerface aufsetzt und auf den ersten Blick knallhart wirkt, was er in der Vergangenheit, in einer Welt der Drogenkriminalität durchaus sein musste, hat jedoch auch eine sensible Seite und trägt jede Menge Ängste mit sich herum. Das nimmt man ihm auch jederzeit ab, und besonders sein gutes Verhältnis zu Lars, dem autistischen Sohn seiner Partnerin, wie er auf ihn eingeht und sich für ihn einsetzt, hat ihn mir sehr sympathisch gemacht. Auch die weiteren Charaktere in seinem Umfeld haben etwas Liebenswertes.
Dieser Krimi ist gut und kurzweilig geschrieben und bringt jede Menge Spannung mit. Auch wenn man so manches über die Gegend um den Teutoburger Wald erfährt und stellenweise die Atmosphäre direkt spüren kann, würde ich ihn nicht unbedingt als typischen Heimatkrimi sehen.

Die Geschichte hat einerseits ein gutes Ende, aber im Epilog geschieht etwas, das mich auf eine Fortsetzung hoffen lässt, denn ich empfand das als starken Cliffhanger, der geradezu nach einem weiteren Band schreit.

👍👍👍👍1/2


Sonntag, 26. Februar 2017

Bartleby, der Schreiber - Herman Melville



Diese kleine Geschichte spielt an der Wallstreet. Es sind keine Zeitangaben gemacht, aber die Erzählung wurde im Jahr 1853 veröffentlicht, und ich vermute, dass auch die Handlung ungefähr Mitte des 19. Jahrhunderts spielt. „Bartleby, der Schreiber“ entstammt der Feder von Herman Melville, dem Verfasser des weltberühmten Klassikers „Moby Dick“.

Die Ereignisse sind aus der Sicht eines älteren Notars geschildert. Der Ich-Erzähler hat seine Kanzlei an der Wallstreet. Die Aussicht aus seinem Büro ist trist, denn man starrt auf die Mauern der umstehenden Hochhäuser. Der Notar, der durchgehend anonym bleibt, hat mehrere angestellte Schreiber, deren Charakterzüge und Eigenheiten er zuerst ausführlich darlegt. Da die Arbeit im Büro ständig zunimmt, sieht sich der Notar genötigt, einen weiteren Schreiber bzw. Kopisten einzustellen. Auf seine Anzeige hin meldet sich ein junger Bewerber namens Bartleby, und er nimmt den stillen Mann auch gleich unter Vertrag. Bartleby erweist sich in der ersten Zeit als fleißig und gewissenhaft. Aber als der Notar ihn eines Tages bittet, eine extra Aufgabe für ihn zu erfüllen, antwortet Bartleby: „Ich würde vorziehen, das nicht zu tun.“ Im ersten Augenblick ist sein Chef empört, dann verstört, denn mit einer Weigerung hat er nicht gerechnet. Allerdings erfolgte diese so sanft und leise, dass dem Notar der Wind aus den Segeln genommen wurde. In der folgenden Zeit werden derartige Weigerungen Bartlebys häufiger und erfolgen immer mit den Worten: „Ich würde vorziehen, das nicht zu tun“. Sie führen letztendlich zur völligen Selbstaufgabe des Schreibers.

Der Notar weiß nicht, was er tun soll, denn irgendwie hat Bartlebys Verhalten etwas Anrührendes. Wie sich herausstellt, verlässt er die Kanzlei nicht, sondern lebt in seinem Büro. Einerseits hat sein Chef Mitleid, und doch möchte er ihn am liebsten loswerden, aber etwas hält ihn davon ab, den Mann auf die Straße zu setzen. Bartleby widersteht allen Überredungskünsten, die Kanzlei mit einer Abfindung zu verlassen. Der Inhaber sieht keine andere Möglichkeit, als sein Büro zu verlegen. Die Folgen dieses Umzugs sind fatal. Der Notar kann zwar Bartleby damit aus seinem Gesichtsfeld bannen, aber nicht aus seinen Gedanken, und immer noch fühlt er sich für den einsamen, stillen Mann verantwortlich.

Die Geschichte umfasst gerade einmal siebzig Seiten, und doch schafft es dieses kleine Büchlein, mehr Emotionen freizusetzen als so mancher Wälzer. Ich habe Bartlebys Schicksal mit sehr gemischten Gefühlen verfolgt und wurde ständig hin und her gerissen zwischen Unverständnis und Mitgefühl. Der Ich-Erzähler bleibt anonym und gesichtslos bis zuletzt, und doch gelingt es dem Leser, sich in den Notar hinein zu versetzen. Man kann seine Zweifel und Befürchtungen gut verstehen. Es spricht für ihn, dass er sich so lange um Bartleby bemüht. Man kann nur erahnen, was in dem stillen Schreiber vorgeht. Seine ganze Erscheinung wirkt so einsam und anrührend. Obwohl man nur wenig über ihn erfährt, hofft man auf eine Wendung zum Guten. Erst ganz zuletzt erfährt man ein wenig über Bartlebys Vorgeschichte, die wohl sein Leben geprägt hat.

Die Person Bartlebys mutet einerseits grotesk an, aber dabei ist diese Erzählung so dicht und ergreifend geschrieben und so eindrucksvoll, dass sie einen einfach berühren muss. Ich für meinen Teil werde Bartleby sicher so schnell nicht vergessen.

👍👍👍👍👍


Donnerstag, 23. Februar 2017

Die Donauprinzessin und die Toten von Wien - Beate Maly



Der Roman spielt in Wien im Jahr 1531.
Seit der Belagerung der Stadt durch die Türken sind zwei Jahre vergangen. Das Leben geht seinen normalen Gang, aber in den Außenbezirken sind die tragischen Verluste und die Zerstörung aus der Belagerungszeit Zeit noch sichtbar. Eines Tages wird ein Toter gefunden, vom Pfeil einer Armbrust niedergestreckt. Der Mann war auf der Suche nach einer alten Schatulle, die er gerade ausgraben wollte, als ihn der Pfeil tötete. Dies ist nur der Anfang, denn es folgen weitere Todesfälle, denen eindeutig ein Mord zugrunde liegt. Der Mathematiker Sebastian Grün, der als Bauingenieur für die Stadt arbeitet, wird mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt. Darin hat er bereits Erfahrung, wie man im Lauf der Geschichte erfährt, denn bereits ein Jahr zuvor war er auf Mördersuche, unter Mithilfe seiner geliebten Fanny, der Winzertochter vom Nussberg. Aber trotz aller Zuneigung wartet Fanny vergeblich auf einen Heiratsantrag. Die junge Witwe wohnt wieder auf dem Gut ihres Vaters und keltert ihren eigenen Wein, was ihr als Frau eigentlich gar nicht offiziell erlaubt wäre. Gerade jetzt würde sie Sebastian besonders brauchen, denn ihr Vater beabsichtigt, sie wieder zu verheiraten und hat auch schon einen geeigneten Mann für sie ausgesucht. Mit dieser Ehe möchte der Winzer vermeiden, dass seine Weinberge in falsche Hände kommen, falls ihm etwas zustoßen sollte. Fanny muss mit ansehen, wie ohne ihr Einverständnis einfach über ihr Schicksal entschieden wird, aber sie weiß auch, dass etwas geschehen muss, denn ihrem Vater geht es gesundheitlich immer schlechter.
Sebastian ist im Auftrag des Bürgermeisters unterwegs und soll die Morde klären. Dabei ahnt er nicht, dass er Fanny für immer zu verlieren droht.

Dies ist bereits der zweite Band um die Donauprinzessin. Den ersten Teil kenne ich leider noch nicht, aber ich hatte trotzdem keinerlei Probleme, in die Handlung hinein zu finden, und alles, was man aus dem ersten Band wissen muss, wird in kleinen Rückblicken geschickt in die Handlung eingebunden.
Nun gibt es erneut mysteriöse Todesfälle in der Stadt. Je mehr man über Sebastian Grüns Recherchen erfährt, umso deutlicher werden die Zusammenhänge, und umso fesselnder entwickelt sich die Geschichte. Bis zuletzt gelingt es der Autorin, überraschende Wendungen in den Roman einzufügen und die Spannung auf einem hohen Level zu halten. Dabei bewegt sich die fiktive Handlung sehr nah an der Realität und wirkt dadurch sehr authentisch. Man erfährt so einiges über die politische Situation Wiens zu dieser Zeit, und auch der damalige Bürgermeister tritt mehrfach in Aktion.
Fanny ist eine sehr sympathische junge Frau, die ihre Arbeit auf dem Nussberg liebt und eigenverantwortlich einen Wein bester Qualität keltert. An ihrem Beispiel wird die Situation der Frauen im Mittelalter sehr deutlich dargelegt. Würde ihr Vater sterben und sie wäre noch unverheiratet, würden die Weinberge nicht in ihrem Besitzt bleiben, sondern an die Stadt fallen. Was wir heutzutage als ungerecht empfinden, war damals Gesetz und allgemein üblich. Bei all ihrem eigenen Kummer hat die junge Frau aber auch ein Herz für die Armen und hilft wo sie kann.
Die Ursache für Sebastians Zögern, sich seiner Fanny zu erklären, wird ebenfalls gut und verständlich dargestellt. Seine Beweggründe kann ich durchaus nachvollziehen, wenn ich ihm auch gerne ab und zu mal einen Schubs in die richtige Richtung gegeben hätte, weil man das Elend kaum mit ansehen konnte, wie er Fanny in ihr Unglück rennen lässt.
Der Schreibstil der Geschichte ist sehr gefällig, wie ich das schon von früheren Romanen der Autorin kenne und schätze. Beate Maly gelingt es, ihre Charaktere so lebendig zu beschreiben, dass sie einem sehr nahe kommen. Da spricht auch so mancher, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und man kann dies schriftlich bestens nachvollziehen, wie beispielsweise beim Glocken- und Kanonengießer Gregor Löffler, der (hier schwarz auf weiß festgehalten) ausgeprägten Dialekt spricht.

Alles in allem ist dies ein historischer Krimi vom Allerfeinsten, und ich hoffe, dass es noch mehr Bände geben wird und es die Autorin nicht bei den beiden bisher erschienenen belässt. Gerne würde ich Fanny und Sebastian auch noch weiter durchs Leben begleiten, denn langweilig wird es in ihrem Umfeld garantiert nicht.

👍👍👍👍👍


Montag, 20. Februar 2017

Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen - Clara Maria Bagus


Es ist Winter, und draußen ist es grau und eisig kalt, die Natur ist tief verschneit. Ein Mann sitzt am Fenster und blickt nach draußen, als ein wunderschöner, bunter Vogel angeflogen kommt. Als dieser sich auf einem Ast niederlässt, sprießen dort plötzlich frische Frühlingstriebe. Der Vogel erhebt sich wieder in die Lüfte, und schon ist das zarte Grün verschwunden, aber überall, wo der Vogel landet, grünt und blüht es, und die Luft in der Nähe erwärmt sich. Der Mann ist hingerissen und beschließt, dem gefiederten Frühlingsboten zu folgen. Er macht sich auf eine lange Reise, stets auf der Suche nach dem Vogel. Oft verliert er diesen aus den Augen, aber immer wieder entdeckt er ihn, und überall wo der Vogel auftaucht, wird Frühling. Auf seiner Reise begegnet der Mann vielen unterschiedlichen Menschen. Er führt zahlreiche Gespräche und lernt die verschiedensten Sichtweisen und Lebenseinstellungen kennen. Dabei erkennt er, was wirklich wichtig ist im Leben und findet zu sich selbst.

Die Schreibweise dieses wunderschön aufgemachten Büchleins ist märchenhaft. Die Sätze sind einfach und gut verständlich gehalten, und doch entbehren sie nicht einer gewissen Poesie. In den Gesprächen mit Anderen erfährt der Mann, der durchgehend namenlos bleibt, viel über das Leben und auch über sich selbst. Die Menschen, die mit ihm sprechen, haben alle ihre Lebensweisheiten parat. Die geschilderten Situationen wirken irreal, denn alle Begegnungen laufen anonym ab, der Mann erfährt von seinen Gesprächspartnern keine Namen. Auch die Orte sind namenlos und machen einen unwirklichen Eindruck, eben märchenhaft. Viele Elemente der Handlung können so überhaupt nicht ablaufen, und in einem Roman würde man sie als unglaubwürdig abtun. Nicht so jedoch in dieser magischen Geschichte, denn die beschränkt sich auf das Wesentliche, und das braucht in diesem Fall keine Namen und Ortsbezeichnungen.
So manches an dieser Erzählung hat Erinnerungen an andere Bücher in mir geweckt, so gibt es durchaus Ähnlichkeiten zu Klassikern wie „Der kleine Prinz“, und letztendlich hat mich die Geschichte auch ein wenig an das zauberhafte Bilderbuch „O wie schön ist Panama“ erinnert. Gemeinsam ist den hier erwähnten Büchern der philosophische Anstrich und auch die Suche der Protagonisten nach der Essenz, nach dem wahren Sinn des Lebens und nach ihrem eigenen Platz darin.
Untertitel dieses Buches ist „Eine Reise zur Leichtigkeit“, und eben diese Leichtigkeit wird schon durch den Umschlag vermittelt, denn dieser zeigt filigrane Äste und ein ausgestanztes Vögelchen auf dem farblich eher trist gehaltenen Schutzumschlag. Durch die Ausstanzung leuchtet der kleine Vogel jedoch wunderschön, denn der eigentliche Buch-Einband schimmert irisierend durch. So blitzt bereits hier ein wenig vom Zauber der Geschichte hervor.
Neben der traumhaft anmutenden Handlung hat dieses Büchlein auch noch einen wahren Schatz an schönen Zitaten und Lebensweisheiten zu bieten, aus denen man durchaus in diversen Lebenslagen Kraft schöpfen kann.

Als Beispiel füge ich zum Schluss hier mein persönliches Lieblings-Zitat an: „Dein Leben ist das Einzige, das du hast. Sei lieber das Meisterstück deiner selbst statt das Imitat eines anderen“.

👍👍👍👍👍