Montag, 22. Mai 2017

So weit uns Träume tragen - Christiane Lind



Frühjahr 1912: Paula und Luise sind beste Freundinnen und teilen sich eine Wohnung. Während Paula als Schauspielerin am Theater arbeitet, ist Luise dort als Kostümbildnerin tätig.Die beiden jungen Frauen lieben ihre Freiheit, ihren Beruf und das Leben in Berlin.
Doch dann ändert sich mit einem Schlag alles. Beide Frauen verlieren ihre Arbeit, die Wohnung wird ihnen gekündigt, und zu allem Überfluss taucht ein gefälschter Schuldschein auf. Paula und Luise stehen vor dem Ruin. Als Paula von einem Verehrer eine Einladung erhält, ihn in New York zu besuchen und auch gleich ein Erste-Klasse-Ticket für die Titanic beiliegt, schöpfen die Freundinnen Hoffnung. Mutig stellen sie sich der neuen Herausforderung und begeben sich an Bord des großen, neuen und sehr luxuriösen Schiffs.
Während sich Luise in den Steward Leonard verliebt, erlebt Paula allerhand Ärgerliches mit ihrem Verehrer Ferdinand von Fahlbusch. Der Mann heckt einen hinterhältigen Plan aus, von dem die Freundinnen ebenso wenig ahnen wie von dem tragischen Schiffsunglück, in das sie unweigerlich geraten werden.

Das Unglück der Titanic und die damit verbundenen tragischen Schicksale der Fahrgäste sind hinreichend bekannt. Es gibt zahlreiche Geschichten, die sich mit Mythos und Wahrheit rund um das wohl berühmteste Schiffsunglück befassen. Christiane Lind hat interessante Charaktere entworfen und ihren Protagonisten einen Platz auf der Titanic eingeräumt.
Paula und Luise sind zwei liebenswerte junge Frauen mit ganz normalen Wünschen und Zukunftsplänen. Als ihre Träume zerplatzen, wagen sie mutig einen neuen Anfang, indem sie der Einladung folgen und sich auf die Reise nach Amerika begeben. Mit von der Partie ist auch Paulas kleiner Hund Valentino, der seine eigenen Vorstellungen davon hat, wie so eine Schiffsreise sein sollte.Begeistert legt er sich mit der Schiffskatze Jenny an. So eine richtige Charakterkatze ist in Christiane Linds Romanen unverzichtbar, und ich möchte behaupten, das ist ein Markenzeichen der Autorin. Ich jedenfalls habe noch keinen Roman von ihr gelesen, in dem nicht mindestens ein Exemplar dieser Spezies mitwirkt.
Auch zwei liebenswerte junge Helden hat der Roman vorzuweisen. Die Geschwister Harri und Gretchen sind mit ihren Eltern Passagiere der dritten Klasse, und Paula und Luise schließen die beiden Kinder gleich ins Herz. Im Lauf der Fahrt auf der Titanic können die Kinder den Freundinnen so manchen guten Dienst erweisen.
Sehr gespannt war ich, zu erfahren, was es mit Fahlbuschs Plänen auf sich hat. Was er mit seiner Inszenierung bewirken will und seine Beweggründe dafür erfährt man erst ziemlich am Schluss der Geschichte, wodurch die Spannung langfristig angekurbelt wird.

Die Atmosphäre auf der Titanic ist sehr detailliert und realistisch wiedergegeben. Hier hat Christiane Lind wirklich sehr gründliche Recherchearbeit geleistet. Ich konnte mir das Ambiente lebhaft vorstellen und hatte zeitweise das Gefühl, an der Seite der Protagonistinnen durch die Gänge des Schiffs zu laufen und alles mitzuerleben. Dass sich dies dann doch alles nur in meinen Gedanken abgespielt hat, darüber war ich spätestens froh, als die Titanic den Eisberg rammte. Auch die darauf folgenden Ereignisse sind im Roman beängstigend greifbar und realistisch dargestellt.

Neben dem Nervenkitzel, der nicht nur durch den Untergang dieses gewaltigen Schiffs ausgelöst wird, sondern den wir zu einem großen Teil auch Ferdinand von Fahlbusch zu verdanken haben, spielt auch die Liebe im Roman eine Rolle, wenn auch eine eher untergeordnete. Die fesselnde Handlung und der plastische Schreibstil machen die Geschichte zu einem großartigen und kurzweiligen Leseerlebnis.

⭐⭐⭐⭐⭐

Wichtiger Hinweis: Dies ist die zweite Auflage des Romans "Weiße Rosen und die Titanic". Der Inhalt ist gleich, nur das Cover und der Titel haben sich geändert.

Sonntag, 21. Mai 2017

Die Liebe in diesen Zeiten - Chris Cleave


Klappentext:
Mary North ist jung, hübsch und aus guter Familie. In ihrem ganzen Leben musste sie noch nichts Schwereres heben als ein Cocktailglas. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet sie sich impulsiv und voller Enthusiasmus in London zur Truppenunterstützung. Sie wird allerdings ganz unheroisch nur als Hilfslehrerin an einer Schule eingesetzt. Dabei lernt sie Tom kennen, der bei der Schulbehörde arbeitet. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen ... Aber ihre Verlobung begegnet größeren Hindernissen als nur dem Widerstand von Marys Familie. Denn eines Tages kommt Toms Freund Alistair, der sich freiwillig gemeldet hat, auf Heimaturlaub, und sein Zusammentreffen mit Mary löst in ihnen beiden heftige, nie gekannte Gefühle aus. Doch sie werden einander so bald nicht wiedersehen. Briefe sind ihre einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben. Und bald überschattet das Drama des Krieges alles andere. Mary und Alistair sehen sich Erfahrungen ausgesetzt, die in ihrem Grauen fast unwirklich erscheinen. Wie lange werden sie noch aneinander Halt finden können?


Mein Eindruck:
Liest man den Titel und den Klappentext, entsteht meiner Meinung nach ein völlig falscher Eindruck, denn so mancher wird dahinter eine Liebesgeschichte mit einer Dreiecksbeziehung vermuten, was jedoch nicht zutrifft.

Mary North, eine lebenslustige junge Frau aus gutem Hause, möchte etwas anderes tun als im Ritz Cocktails zu trinken oder Teegesellschaften zu besuchen. Als der Krieg ausbricht, meldet sie sich freiwillig und wird als Lehrerin eingeteilt. Die meisten Kinder sind aufs Land evakuiert, und so bleiben nur ein paar Außenseiter, die Mary unterrichten kann. Unter ihnen ist der farbige Zachary. Das Schicksal des Jungen berührt sie, und zwischen Lehrerin und Schüler entsteht eine Art Kameradschaft. Für ihre Toleranz, Minderheiten gegenüber muss Mary häufig büßen, denn so schrecklich die Ereignisse des Kriegs auch sind, so tief verwurzelt und stark sind die Vorurteile der Menschen, und für die Londoner kommt es fast einem Kriegsverbrechen gleich, farbige Kinder zu unterrichten und sich gar mit ihnen auf der Straße blicken zu lassen.
Mary ist mir sehr sympathisch. Obwohl sie es "nicht nötig hätte", zu arbeiten, möchte sie etwas tun, um ihr Land im Krieg zu unterstützen. Ihre offene, tolerante Art, ihr Gerechtigkeitssinn und wie sie mit ihren Schülern umgeht, gefällt mir sehr. Tom, den Mann an ihrer Seite, hat sie bei ihren Bemühungen um die Stelle als Lehrerin kennengelernt. Bei dieser Verbindung ist der Begriff „Gegensätze ziehen sich an“ sehr passend, denn Tom ist ruhig, in sich gekehrt und besonnen, wo Mary impulsiv und leidenschaftlich reagiert.
Alistair ist Toms bester Freund. Als er auf Heimaturlaub nach London kommt, unternehmen sie einiges zu viert, zusammen mit Marys Freundin Hilda, von Mary und Tom mit dem Hintergedanken, aus ihren besten Freunden könnte vielleicht auch ein Paar werden. Aber bald schon muss Alistair wieder zurück nach Malta, zu seinem Stützpunkt. Starke, aber widersprüchliche Gefühle hat er mit im Gepäck, denn einerseits findet er Hilda durchaus sympathisch, aber Mary geht ihm nicht aus dem Kopf.

Der Roman ist abwechselnd aus Marys Sicht und aus Alistairs Blickwinkel geschildert. Sie sind die Protagonisten der Geschichte. Im Verlauf der Kriegsjahre erleben sie so viel Schreckliches, dass sie emotional und körperlich hart an ihre Grenzen kommen.
Chris Cleave hat einen sehr besonderen Schreibstil, der in der Übersetzung von Susanne Goga-Klinkenberg hervorragend bewahrt wurde. Sprachgewaltig und bildhaft, mit starken Metaphern und jeder Menge Sarkasmus, bringt der Autor die Schrecken und die Folgen des Krieges zum Ausdruck, so dass man sich dem dramatischen Szenario nicht entziehen kann.
Der britische Humor, der häufig mitschwingt und nur allzu oft in Galgenhumor mündet, kann nicht über den Wahnsinn hinwegtäuschen, der sich während der Kriegsjahre abgespielt hat.
Die Beschreibungen der zerstörten Orte und gebrochenen Seelen sind von einer traurigen Poesie.

Ja, es ist auch eine sehr berührende Liebesgeschichte, aber wer Romantik sucht, wird sie hier ganz sicher nicht finden. Der Wahnsinn des Kriegs und was er mit und aus den Menschen macht, steht hier im Vordergrund. Dies zu verdeutlichen, ist vermutlich auch das Hauptanliegen des Autors und der Beweggrund, diesen Roman zu schreiben. Starke Charaktere, als reale Vorbilder für die Protagonisten, hat er dabei in seiner eigenen Familie, bei seinen Großeltern, gefunden.

⭐⭐⭐⭐⭐


Donnerstag, 18. Mai 2017

Töchter einer neuen Zeit - Carmen Korn


Klappentext:
VIER FRAUEN ZWEI WELTKRIEGE
HUNDERT JAHRE DEUTSCHLAND
Einer neuen – einer friedlichen – Generation auf die Welt helfen, das ist Henny Godhusens Plan, als sie im Frühjahr 1919 die Hebammenausbildung an der Hamburger Frauenklinik Finkenau beginnt. Gerade einmal neunzehn Jahre ist sie alt, doch hinter ihr liegt bereits ein Weltkrieg. Jetzt herrscht endlich Frieden, und Henny verspürt eine große Sehnsucht nach Leben. 
Drei Frauen begleiten sie auf ihrem Weg: die rebellische Käthe, Ida, Tochter aus wohlhabendem Hause, und die junge Lehrerin Lina. So verschieden die Frauen sind, so eng ist ihre Freundschaft, auch wenn diese in den kommenden Jahrzehnten oft auf die Probe gestellt werden wird.
Carmen Korn verwebt deutsche Geschichte mit vier bewegten Frauenleben. Sie erzählt die Geschichte 
einer Generation, die Geschichte eines Jahrhunderts.

Mein Eindruck:
Das Konzept dieses Buches ist gut, und so habe ich mich voller Erwartungen auf den Roman gestürzt. Es ist ja der erste Band einer Trilogie, und vermutlich wird die ganze Trilogie dann die angegebenen “100 Jahre Deutschland“ umfassen. Dieser erste Band beginnt 1919 und endet 1948. Man lernt die vier im Klappentext erwähnten Frauen nacheinander kennen und begleitet sie durch diese drei Jahrzehnte.
Es sind bewegte Jahre, und die Autorin beschreibt die Gegebenheiten mit viel Zeitkolorit, Sachkenntnis und äußerst detailliert. Man lernt das alte Hamburg kennen und erhält Einblick in das Alltagsleben der Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Gesinnung. Auch der Krieg ist ein großes Thema, denn der erste Weltkrieg ist gerade vorbei, als wir die jungen Frauen kennenlernen, und Deutschland steuert bereits auf die nächste Katastrophe zu.

Der Schreibstil ist leicht lesbar, und die Lebenswege der Protagonistinnen sind sehr ausführlich gezeichnet. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich keiner der Frauen wirklich nahe gekommen bin. Ich hatte keinen Draht zu den Charakteren, so gut sie auch dargestellt sind, für mich blieben sie durchgehend unpersönlich und auf Distanz.

Vielleicht hat mich der Roman auf dem falschen Fuß erwischt, aber für mein Empfinden hat sich die Handlung unendlich in die Länge gezogen. Nun bin ich froh, das Buch zu Ende gelesen zu haben, denn interessante historische und soziale Details liefert der Roman zuhauf. Aber ich habe beschlossen, es erst einmal dabei zu belassen und die Folgebände nicht zu lesen. Vielleicht besorge ich mir irgendwann das Hörbuch und gebe damit dem Roman eine zweite Chance.  

⭐⭐⭐ 


Dienstag, 16. Mai 2017

Neuzugänge und Überraschungspost in der ersten Mai-Hälfte 2017

Der Mai hat bereits wieder Halbzeit, und es sind einige neue Bücher bei mir eingezogen.
"Nimmergrün" von Elinor Bicks ist ein so genannter "Gartenkrimi". Ich habe aus dieser hübschen Reihe des Gmeiner Verlags bereits "Radieschenheim" gelesen, und die gebundenen Büchlein im Kleinformat können nicht nur mit einer fesselnden Krimihandlung aufwarten, sondern sehen auch noch richtig schön aus.

"Im ersten Licht des Morgens" von Virginia Baly ist ein historischer Roman, der uns ins Kriegsjahr 1943 nach Rom führt. 

"Strandfliederblüten" von Gabriella Engelmann hat mich schon gleich vom Cover her angesprochen, und ich lese die Bücher der Autorin allgemein sehr gerne, war also quasi ein "Muss" 😉

"Die Vertraute des Königs" von Emma Campion stand schon länger auf meinem Wunschzettel. Nun wurde ich über meine Facebook-Büchertauschgruppe mit dem Titel überrascht. Der Roman führt uns ins England des 14. Jahrhunderts, und der König, um den es hier geht, ist Eduard III.

Auch zwei Rezensionsexemplare haben mich erreicht:
"Der unsichtbare Feind" von Michael E. Vieten ist ein neuer Krimi mit der sympathischen Komissarin Christine Bernard. Vor ca. einem Jahr hat mich schon "Das Eisrosenkind" (der vorherige Band) sehr beeindruckt und mitgerissen (es war mein Monats-Highlight im Juni 2016), so dass ich mich über das Rezensionsangebot des Autors sehr gefreut habe.
Über  "Die Galerie der Düfte" von Julia Fischer freue ich mich ebenfalls sehr, denn soviel ich schon weiß, ist die berühmte Klosterapotheke Officina Profumo di Santa Maria Novella in Florenz hier Schauplatz für einen Roman, in dem es um Düfte und um die Liebe geht.
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Acabus-Verlag und beim Knaur Verlag für die Überlassung der Rezensionsexemplare.


Wunderschöne Überraschungspost habe ich aus dem Lydia-Lädchen erhalten.
Das Büchlein "Momente der Freude" enthält 20 stimmungsvolle Motivpostkarten, jeweils mit inspirierenden Bibelversen und Zitaten für viele Gelegenheiten ergänzt. Ich finde, so ein Postkartenbüchlein ist auch immer eine schöne Geschenkidee, vielleicht als kleines Mitbringsel für eine liebe Freundin oder Verwandte. Vielen Dank an den Lydia-Verlag für die bezaubernde Überraschung.

Sonntag, 7. Mai 2017

Die fremde Königin - Rebecca Gablé

Es war mir eine Ehre, bei der Vorab-Leserunde zu diesem großartigen Roman dabei sein zu dürfen.


In „Die fremde Königin“ widmet sich Rebecca Gablé zum zweiten Mal der deutschen Geschichte zur Zeit Ottos I. Seit dem Ende des vorherigen Romans „Das Haupt der Welt“ sind zehn Jahre vergangen. Bei der „fremden Königin“, um die es in diesem zweiten Buch geht, handelt es sich um keine geringere als um Adelheid von Burgund,die später eine Ehe mit Otto I. eingeht.

Alles beginnt mit Adelheids Flucht aus der Gewalt des Markgrafen Berengar von Ivrea, der sie, nach dem Tod ihres Mannes Lothar von Italien, gefangen hielt, weil er beabsichtigte, die junge Witwe mit seinem Sohn Adalbert zu verheiraten.
Die Handlung des Romans dreht sich in erster Linie um die Entstehung dieser mächtigen Verbindung und um das Leben und Wirken des Königspaars und hält sich eng an die historischen Tatsachen. Die Leser begleiten Otto und Adelheid über einen Zeitraum von knapp elf Jahren, bis zu ihrem Italienzug und der Krönung zum Kaiserpaar. Es ist eine ereignisreiche Zeit bis dahin, denn Otto muss nicht nur die Grenzen seines Reichs gegen immer wiederkehrende Einfälle der Ungarn und slawischer Volksstämme schützen, sondern es kommt auch ständig zu Spannungen innerhalb der Familie, denn durch die Heirat mit Adelheid sieht Ottos ältester Sohn Liudolf sein Anrecht auf die Thronfolge gefährdet. Gefahr droht ihm in dieser Hinsicht auch durch Ottos Bruder Heinrich, der ständig intrigiert und einen viel zu starken Einfluss auf den König hat. Diese politischen Geschehnisse und Verwicklungen sowie Ottos Beschlüsse und Reaktionen darauf kann der Leser aus nächster Nähe mitverfolgen. Nicht nur im Roman, sondern auch von Historikern belegt, ist bei vielen Entscheidungen Ottos ein maßgeblicher Einfluss Adelheids anzunehmen. Sie ist eine starke, interessante Persönlichkeit und ging nicht umsonst als eine der mächtigsten Frauen in die deutsche Geschichte ein.

Aber wie man es von Frau Gablé gewohnt ist, hat auch ihr neuester Roman wieder einen fiktiven, ganz besonderen Helden. Diesmal ist es Gaidemar, der Bastard, der zu Ottos Panzerreitern gehört und ausgesandt wurde, um Adelheid bei ihrer Flucht vor Berengar zu helfen und sie in Sicherheit zu bringen. Von da an ist er der Vertraute der Königin und ihr treuester Gefolgsmann, nicht gerade zur Freude Ottos, dem der junge Mann ein Dorn im Auge zu sein scheint. Was dahinter steckt und dass diese Vorbehalte ihren Ursprung in familiären Verbindungen haben, erfährt man erst im Lauf der Geschichte ausführlicher. Gaidemar vereint alle Eigenschaften, die man sich von einem Helden der damaligen Zeit erwartet. Er ist bescheiden und tapfer, ein Raubein mit einem großen Herzen, kurz gesagt, ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Er ist im Roman meine Sympathiefigur, und sein Schicksal ging mir stets besonders nahe.
Wie meist in den Romanen der Autorin, so sind die fiktiven Charaktere neben den historischen Persönlichkeiten in der Minderzahl. Die Kombination aus Realem und Erdachtem ist wieder bestens gelungen, und entstanden ist ein mitreißender Roman mit hohem Unterhaltungswert, zugleich aber auch mit einem großen Fundus an geschichtlichem Wissen. Wie die Teile eines großen Puzzles, so greifen auch hier wahre und erfundene Begebenheiten harmonisch ineinander und bilden ein perfektes Ganzes, und so kommt es nicht von ungefähr, dass Gaidemar mit den Großen der Geschichte auf Du und Du ist und sich sein Lebensweg mit den realen historischen Daten perfekt ergänzt.

Ich habe schon viele Romane von Rebecca Gablé gelesen, und ich liebe sie alle, denn von ihrem eindrucksvollen Schreibstil bin ich immer wieder fasziniert. Sie haucht den Charakteren Leben ein, und für trockene Geschichtsdaten schafft sie eine farbige Atmosphäre. Da gibt es bewegende Momente, aber auch der für die Autorin typische feine, hintergründige Humor kommt nicht zu kurz. Einfach nur von „Kopfkino“ zu sprechen, wäre bei Frau Gablés Romanen stark untertrieben, denn hier bekommt man einen wahren Monumentalfilm für die Phantasie geliefert und sitzt quasi in der vordersten Reihe.


Wie schon von früheren Romanen der Autorin gewohnt, findet man auch diesmal eine lange Personenliste im Buch. In einem ausführlichen Nachwort geht Frau Gablé noch auf ein paar Besonderheiten ein und informiert über Dichtung und Wahrheit. Jürgen Speh hat auch diesmal die ausdrucksvollen Illustrationen gezeichnet, die eine Bereicherung des Buchdesigns darstellen und mittlerweile einfach dazu gehören.

😍😍😍😍😍


Goethe und des Pudels Kern - Andreas Venzke


Das relativ schmale Büchlein ist in der Arena Bibliothek des Wissens erschienen und gehört zur Reihe "Lebendige Biographien". Hier werden berühmte Personen ihrer Zeit vorgestellt, in diesem Fall ist es Johann Wolfgang von Goethe.
Das Buch bietet einen relativ knapp gefassten Abriss zum Leben des großen Dichters. Das Besondere an den Büchern dieser Reihe ist, dass sie in der ersten Person geschrieben sind, was hier den Eindruck entstehen lässt, Goethe würde höchst persönlich über sein Leben erzählen. Humorvolle Illustrationen von Klaus Puth lockern das Geschriebene zusätzlich auf. Die Bücher dieser Reihe sind in erster Linie für Jugendliche gedacht, aber ich finde, auch als Erwachsener und "Einsteiger" kann man hier viel Neues über historische Persönlichkeiten erfahren. 
Die wichtigsten Ereignisse bekommt man hier auf jeden Fall geboten. Zwischen den Ich-Erzählungen, die eher im lockeren Plauderton geschrieben sind, finden sich immer wieder Abschnitte mit den historischen Eckdaten und Tatsachen zur Person, stets auch ergänzt durch Fotos von alten Gemälden, die in irgend einer Weise etwas mit dem Dichter, seinem Umfeld und seinen Werken zu tun haben. 
So hat man am Ende einen guten Überblick. Ein Glossar und eine Zeittafel runden das Wissen zu Goethe ab. Von der Geburt bis zum Tod findet man dort die wichtigsten Lebensdaten auf einen Blick.
Das Büchlein kann wirklich nur einen Überblick geben und nicht in die Tiefe gehen. Wer sich ausführlicher mit Goethe auseinandersetzen möchte, der wird sicher zu umfangreicheren Werken greifen, aber für einen ersten Eindruck sind diese knappen und kurzweiligen Biographien wirklich gut geeignet. Die lockere und amüsante Gestaltung wirkt sicher gerade auf ältere Kinder und Jugendliche besonders einladend, und wenn es dieses Büchlein schafft, einigen jungen Menschen den großen Dichter Goethe ein wenig näher zu bringen, dann hat es seine Aufgabe schon bestens erfüllt. Auch ich konnte hier noch so manches an Neuem zu Goethe und seiner Zeit erfahren, obwohl ich der eigentlichen Zielgruppe schon sehr lange entwachsen bin. Ich bin durch dieses Buch auf den Geschmack gekommen, denn mir gefällt die unkomplizierte Art der Wissensvermittlung, und sicher werde ich mir noch weitere dieser kleinen Biographien ansehen.

👍👍👍👍

Donnerstag, 4. Mai 2017

Die heimliche Heilerin und die Toten - Ellin Carsta



Zu Beginn dieses dritten Bandes um die heimliche Heilerin sind wieder sieben Jahre ins Land gegangen. Man schreibt inzwischen das Jahr 1402, und Madlen lebt mit ihrer Familie in Köln. Eines Abends erscheint ein Bote des Erzbischofs am Haus der Goldmanns, mit der Bitte, die „heimliche Heilerin“ soll zu einer Frau kommen, die kurz vor der Niederkunft steht. Als Madlen bei dem verlassenen Haus ankommt, wo sie die Frau in den Wehen vorfindet, hat sie gleich den Eindruck, dass hier etwas nicht stimmt. Ihre Ahnung bewahrheitet sich, als kurz nach der Geburt fremde Männer ins Haus eindringen und Madlen das neugeborene Mädchen aus den Armen reißen. Sie merkt schnell, dass auch das Leben der Mutter und ihr eigenes in Gefahr sind, und sie fragt sich, was der Erzbischof mit der ganzen Sache zu tun hat. Madlen versucht, der Wöchnerin zu helfen und gerät dabei in einen Strudel tragischer Ereignisse, die ihr ganzes Leben komplett auf den Kopf stellen.

Der erste Band um die heimliche Heilerin hat mir sehr gut gefallen. Band zwei war ebenfalls gut, kam aber nicht ganz an den ersten heran. Dieser dritte Teil jedoch ist wirklich das Tüpfelchen auf dem i. Madlens Schicksal ist so packend erzählt, dass man den Roman in einem Stück lesen möchte und kaum zu Atem kommt. Die Ereignisse im Leben der heimlichen Heilerin überstürzen sich, und auch wenn sie viel Leid erfährt, so bringt das Schicksal sie doch ihrem Lebenstraum näher. Sie muss wieder einmal fliehen und geht nach Italien, wo sich ihre Bestimmung erfüllt.

Die Charaktere, die einem im Lauf der Geschichte begegnen, sind allesamt glaubhaft und ausführlich dargestellt. Von allen drei Bänden ist dieser dritte der dünnste, was die Seitenzahl betrifft, dafür umfasst er aber von allen Bänden den größten Zeitraum, denn diesmal begleiten wir Madlen über sechs Jahre ihres Lebens. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen während dieser Zeit sind besonders vielfältig und verschiedenartig, was den Roman zu einem sehr kurzweiligen Leseerlebnis macht. Wenn ich das schlüssige und zufriedenstellende Ende dieses Romans betrachte, gehe ich davon aus, dass es bei dieser Trilogie bleiben wird. Ich kann mich natürlich auch irren und wäre ganz sicher nicht abgeneigt, auch weitere Bände über Madlen und ihre Familie zu lesen.  

👍👍👍👍👍


Mittwoch, 3. Mai 2017

Nur Mut, kleiner Drache! - Kristin Lückel (Autorin), Regine Altegoer (Illustratorin)


Hugo ist ein ganz normaler Drachenjunge...naja, fast! Sein Problem ist, dass er vor allen möglichen Dingen Angst hat. Beim Flugunterricht fürchtet er sich vor dem Abstürzen, er hat Angst vor der Dunkelheit, vor Gewitter, vor kaltem Wasser und auch vor Feuer, wobei letzteres für einen Drachen schon ungewöhnlich ist, so dass er auch beim Feuerwettspucken versagt. Die anderen Drachenkinder verspotten ihn, und das macht Hugo sehr traurig.
Alles wird anders, als Hugo eines Tages die kleine Fledermaus Freddy kennenlernt. Seinem neuen Freund kann er sein Herz ausschütten, und siehe da, geteiltes Leid ist halbes Leid, und so manche Gefahr wirkt plötzlich gar nicht mehr so bedrohlich. Hugo erfährt, dass er nicht der einzige ist, der sich vor etwas fürchtet, sondern dass jeder irgendwelche Ängste hat und dass dies ganz normal ist.


Der einfühlsame Text von Kristin Lückel und die liebevollen Bilder von Regine Altegoer haben hier zu einem wundervollen Bilderbuch zusammengefunden. Für Kinder ist es tröstlich, zu erfahren, dass sich auch Drachen vor so vielem fürchten. Auch erfahren sie durch diese Geschichte, wie wichtig und schön es ist, Freunde zu haben, mit denen man alles teilen kann, sogar seine Ängste. Viele Ereignisse verlieren für den kleinen Drachen Hugo ihre Schrecken, weil er sie nicht alleine erlebt, sondern mit seinem Freund besprechen kann. Hugo lernt, sich den vermeintlichen Gefahren zu stellen und erlebt, dass vieles gar nicht so bedrohlich ist, wenn man sich näher damit beschäftigt und darauf einlässt. Kleine Kinder können viel Tröstliches aus dieser Geschichte mitnehmen, und sie erfahren, dass keiner frei von Furcht ist und dass es immer auf die Betrachtungsweise ankommt, ob man vor einer Sache Angst hat oder nicht.
Ein wundervolles, warmherziges Bilderbuch, das jeder kleine Angsthasedrache in seiner Bücherkiste haben sollte.

😍😍😍😍😍

Montag, 1. Mai 2017

Das war mein Lesemonat April 2017


Sehr üppig ist der April nicht ausgefallen, was das Lesen angeht. Ich habe fünf Bücher gelesen, eines davon ein Bilderbuch, das seitenmäßig nicht sehr zu Buche schlägt. Der dickste Roman war "Die fremde Königin", und das ist auch mein Monats-Highlight. Rebecca Gablé schafft es einfach immer, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Meine Rezension folgt im Lauf dieser Woche. Überhaupt bin ich mit meinen Rezensionen ziemlich im Verzug, so dass ich noch vier nachreichen muss, aber die Tendenz hat sich auch in den vergangenen Wochen fortgesetzt, dass es mir ständig an Lesezeit fehlte. Letztendlich sind es dann 1637 Seiten gewesen und damit der bisher schwächste Monat des Jahres. 
Aber was ich gelesen habe, war durchgehend gut bis sehr gut; es gab glücklicherweise keine Enttäuschung.


Meine Neuzugänge haben sich im April auch sehr im Rahmen gehalten. "Nur" 3 Bücher sind bei mir eingezogen, alle standen schon länger auf meiner Wunschliste. 
Die Bücher von Antoine Leiris und Eva Baronsky, links und in der Mitte, habe ich bei Tauschticket ergattert, "Turquoise" von Sabine Tetzner ist mir beim Einkaufen quasi ins Körbchen gehüpft. 😉

So, das war mein Lesemonat April, relativ "kurz und knackig" 😉
Ich wünsche euch einen schönen, sonnigen und lesereichen Mai mit vielen tollen Büchern.

Gewinnspiel zum Welttag des Buches - Die Gewinner stehen fest!

Hallo ihr Lieben,

soeben habe ich über Random.org die drei Gewinner gezogen.

Und das sind sie:

"Die Rebellin von Mykonos" hat gewonnen: Sibylle K. aus N.

"Eine Liebe in Luxor" macht sich auf die Reise zu Birgit J. aus M.

und die "Katzenkinder und Mäusebabys" gehen an Christina S. aus D.


Herzlichen Glückwunsch an die drei Gewinnerinnen! Ich wünsche euch schon mal viel Freude mit den Büchern und noch einen schönen 1. Mai.

Sonntag, 30. April 2017

Die heimliche Heilerin und der Medicus



Kleiner Hinweis für alle, die den ersten Band „Die heimliche Heilerin“ noch nicht gelesen haben. Wer ihn auf jeden Fall lesen möchte, sollte sich diese Rezension erst einmal nicht weiter durchlesen, denn es ist unvermeidbar, einige Fakten zu erwähnen, die automatisch den ersten Teil spoliern.

Köln 1395: seit den Ereignissen um die heimliche Heilerin Madlen sind sieben Jahre vergangen. Die junge Frau lebt mittlerweile mit ihrer Familie in Köln. Während eines Besuches bei den Schwiegereltern in Worms begegnet Madlen einem Medicus, der auf der Durchreise ist und künftig an der Heidelberger Universität Medizin lehren möchte. Madlen ist fasziniert vom Wissen des Mannes und von seinen Heilkünsten, die er in Salerno erworben hat. Dann erhält sie das einmalige Angebot, einige Vorlesungen an der Universität zu besuchen und kann dieser Verlockung nicht widerstehen.
Währenddessen wurde ihr Mann Johannes nach Köln zurückgerufen, wo er im Auftrag des Bischofs gleich in mehreren Mordfällen ermitteln soll. Seine Nachforschungen erweisen sich nicht nur als schwierig, sondern auch als sehr gefährlich. Zu allem Überfluss wird Johannes auch noch von Eifersucht geplagt, als er von der Begegnung zwischen seiner Frau und dem fremden Medicus erfährt.

In diesem zweiten Band dreht sich die Handlung ebenfalls wieder hauptsächlich um Madlen, aber auch die Ereignisse um ihren Mann Johannes nehmen einen breiten Raum ein. Es gibt mehrere Handlungsfäden, die abwechselnd nach Köln, Worms und Heidelberg führen. Auch dieser Band kann wieder mit jeder Menge Spannung und vielschichtigen Charakteren aufwarten. Allerdings muss ich gestehen, dass mir diese Fortsetzung nicht ganz so gut gefallen hat wie der erste Band. Woran das liegt, kann ich eigentlich gar nicht so genau erklären, aber insgesamt waren für mich die Charaktere und die Handlungselemente in Band 1 einfach stimmiger. Gefesselt war ich durchaus auch diesmal, und ich finde den zweiten Teil auf jeden Fall sehr lesenswert, denn er baut auf dem ersten Band auf und bringt einige neue Informationen über die Personen, die man bereits aus dem vorhergehenden Roman kennt. Da inzwischen noch ein dritter Band erschienen ist, benötigt man diesen Roman auch als Bindeglied, das sehr zum Verständnis der gesamten Handlung beiträgt.

👍👍👍👍


Sonntag, 23. April 2017

Gewinnspiel zum Welttag des Buches 2017


Alle Jahre wieder, zum Welttag des Buches, gibt es die schöne Aktion "Blogger schenken Lesefreude". Und wie in jedem Jahr, so beteilige ich mich auch heuer wieder mit einem kleinen Gewinnspiel. Diesmal gibt es drei Bücher zu gewinnen. Wie könnte es auch anders sein, so liegt auch bei meinem Gewinnspiel der Schwerpunkt auf dem Genre der historischen Romane, denn sie liegen mir besonders am Herzen. 
Aber auch an den Nachwuchs habe ich diesmal gedacht, denn die meisten Leseratten hatten bereits in jungen Jahren viel Kontakt zu Büchern. 

Buch Nr. 1: "Die Rebellin von Mykonos" von Martina Kempff

Buch Nr. 2: "Eine Liebe in Luxor" von Kate Pullinger

 Buch Nr. 3: "Katzenkinder und Mäusebabys" von Enid Blyton

Was müsst ihr tun, um eines der Bücher zu gewinnen?
Füllt das Formular unten in diesem Beitrag aus (als Betreff bitte "Welttag des Buches 17" angeben) und verratet mir, welches der Bücher, die ihr vom 1. Januar 2017 bis jetzt gelesen habt, euer bisheriges Jahres-Highlight war.
Bitte gebt auch an, für welches der drei Bücher (oder vielleicht auch für zwei oder alle drei) ihr ins Lostöpfchen springen möchtet. Wenn ihr in alle Lostöpfe springen möchtet, schreibt bitte dazu, welches Buch euch im Gewinnfall am wichtigsten wäre.


Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:

  • Teilnehmen kann jeder über 18, mit einer gültigen Postadresse in Deutschland oder Österreich. 
  • Voraussetzung für einen Platz im Lostöpfchen ist die vollständige Ausfüllung des Teilnahmeformulars.
  • Man kann auch für alle drei Bücher in den Lostopf hüpfen, aber jeder Teilnehmer hat nur die Gewinnchance auf eines der Bücher.
  • Wer mir auch hier unter dem Beitrag einen kleinen Kommentar hinterlässt, in dem ihr eure Antwort auf meine oben genannte Frage schreibt, bekommt einen extra Punkt.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Alle mir überlassenen Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel verwendet und anschließend von mir gelöscht.
  • Es werden alle Kommentare und ausgefüllten Formulare berücksichtigt, die bis zum 30. April 2017 um Mitternacht bei mir ankommen. Am 1. Mai ermittle und benachrichtige ich die Gewinner und gebe sie hier auf dem Blog bekannt.
Und nun wünsche ich allen Teilnehmern viel Glück!


foxyform

Dienstag, 18. April 2017

Die heimliche Heilerin - Ellin Carsta


Heidelberg 1388: Die Hauptperson des Romans ist die junge Madlen. Sie ist Halbwaise, denn die Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Sie und ihr Bruder leben bei ihrem Vater, der Madlen möglichst gewinnbringend verheiraten möchte, denn er hat Geldsorgen.
Madlens große Leidenschaft ist es, anderen Menschen zu helfen. Bei der Hebamme Clara , die ihr ein wenig die Mutter ersetzt, lernt sie alles über Geburten, Frauenleiden und Heilkräuter. Zufällig entdeckt Madlen, dass sie die Gebärenden mit Hilfe gesprochener Psalmen und Kerzenlicht beruhigen kann. Sie und Clara bewahren jedoch Stillschweigen über diese Methode, denn würde dies öffentlich, könnte es der jungen Frau als Hexenwerk ausgelegt werden.
Als ihre Mentorin durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben kommt, vergräbt sich Madlen in ihrer Trauer, bis sie eines Tages gebeten wird, einer Patrizierin zu helfen. Als sie die Frau untersucht, wird ihr schnell klar, dass Adelhaid Trauenstein misshandelt wurde, wie es aussieht, von ihrem eigenen Ehemann. Sie tut ihr Möglichstes, und Adelhaids Leben kann Madlen retten, das Kind wird jedoch tot geboren.
Wenig später wird sie zum Stadtvogt gerufen und fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass Matthias Trauenstein Madlen angeklagt hat, sie hätte das neu geborene Kind mit Kräutern vergiftet. Von Seiten des angesehenen Patriziers schlägt ihr blanker Hass entgegen, und sie muss vor Gericht für die Wahrheit, Gerechtigkeit und ihr Ansehen kämpfen. Aber auf dem langen, beschwerlichen Weg, der vor ihr liegt, begegnet sie nicht nur Misstrauen und Vorurteilen, sondern sie lernt auch Menschen kennen, die ihre heilerischen Fähigkeiten ehrlich schätzen, ihr Zuneigung entgegenbringen und denen sie vertrauen kann.

Mit Madlen hat dieser Roman eine starke Frauenfigur, deren größter Wunsch ist, anderen Menschen zu helfen. Sie hat die Fähigkeit zu heilen und setzt diese ohne zu zögern ein. Ihre Gutmütigkeit wird ihr dabei mehrmals fast zum Verhängnis.
Sehr plastisch ist die Situation der Frauen im 14. Jahrhundert dargestellt. Man erfährt viel über die damaligen Heilmethoden und auch über das Rechtssystem, insbesondere die Rechte der Frauen, zur damaligen Zeit. Man erkennt, wie schwierig es für eine Frau war, damals einen Beruf auszuüben. In manchen Städten war dies schier unmöglich, wenn man keinen Ehemann hatte, der die Geschäfte offiziell führen konnte.
In der Handlung geht es daher stark um Fragen der Emanzipation zu dieser Zeit. Die Probleme, die sich ergaben und der Zwiespalt, in den die betroffenen Personen kamen, werden lebendig und glaubwürdig dargestellt. Aber es ist nicht nur ein fesselnder historischer Roman um eine Heilerin, die sich behaupten muss, sondern es ist zugleich ein mittelalterlicher Krimi, der viel Spannung zu bieten hat.

Ich hatte im Vorfeld schon viel Positives über „Die heimliche Heilerin“ gehört, und auch mich konnte dieser Roman von Ellin Carsta überzeugen. Er liest sich flüssig und kurzweilig, und ich kann ihn allen Liebhabern historischer Romane empfehlen.

👍👍👍👍👍



Sonntag, 16. April 2017

Frohe Ostern

Ein frohes, gesegnetes Osterfest 
wünsche ich euch allen, meine Lieben. 
Habt eine schöne Zeit und genießt die freien Tage.


Dienstag, 4. April 2017

Wo ist denn das Osterei? - Kerstin M. Schuld


Die Hasenkinder Fips und Frida sind ganz aufgeregt, denn sie dürfen sich als Osterhäschen betätigen und die Eier bunt bemalen. 
Auch wenn am Anfang einiges nicht ganz klappt, so sind Fips und Frida doch mit Feuereifer und viel Freude bei der Sache. Dann müssen die fertig bemalten Eier auf den Bollerwagen hinterm Haus geladen werden. Dabei fällt auf, dass ein buntes Ei fehlt. Alle machen sich auf die Suche, auch die befreundeten Tiere, die vorbeikommen, helfen mit. Aber dann wird das Ei glücklicherweise rechtzeitig gefunden, und die Hasenfamilie kann sich auf den Weg machen, denn es gibt viel zu tun; alle bemalten Eier müssen verteilt werden.

Das ist ein wunderschön und liebevoll gestaltetes Osterbüchlein, an dem schon die Jüngsten ihre Freude haben werden. In Reimform wird die kleine Geschichte erzählt, was bei Kindern immer gut ankommt. Besonders attraktiv wird das Bilderbuch durch die glitzernden Akzente, die nicht nur das Coverbild schmücken, sondern auch das besondere Ei hervorheben, das plötzlich verschwindet. Es ist blau-rot gestreift, und die roten Streifen glitzern wunderschön, so dass die Betrachter des Buches beim Umblättern auf jeder neuen Seite "ihr" Ei sofort entdecken. So ganz nebenbei kann man die bemalten Eier auf jeder Seite auch gemeinsam mit den Kindern suchen und zählen. Die fröhlich bunten Bilder mit den bemalten Eiern laden auch dazu ein, die verschiedenen Farben kennenzulernen und zu benennen. Auch sonst gibt es noch einiges auf den einzelnen Seiten zu entdecken, denn wie schon gesagt, kommen auch einige Tiere vorbei und helfen bei der Eiersuche mit. 
So bietet dieses bezaubernde Osterbilderbuch jede Menge Gesprächsstoff zwischen Zuhörern und Vorlesern. Als kleines Ostergeschenk kann ich es sehr empfehlen.


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Montag, 3. April 2017

Montagsgedanken - Ellen Nieswiodek-Martin (Hrsg.)

Ein Buch mit dem Titel „Montagsgedanken“, da ist es naheliegend, dieses auch an einem Montag vorzustellen. Die Herausgeberin, von der ich bereits „Im Vertrauen weitergehen“ vorgestellt habe, hat auch hier wieder kleine Geschichten von ganz unterschiedlichen Frauen jeden Alters und aus verschiedenen Lebensbereichen gesammelt und in diesem schön gestalteten Bändchen veröffentlicht.
Die Aufmachung des Buches ist bezaubernd, das muss ich gleich zu Beginn erwähnen! Die Gestaltung des Einbands ist wunderschön und stimmungsvoll und wird von dem silberfarbenen Buchrücken mit türkisfarbener Metallic-Schrift bestens ergänzt. Jede der enthaltenen Geschichten hat ein sich wiederholendes Tassenmotiv als kleine Illustration über dem Titel. Die Idee, hier gerade 52 Geschichten in einem Band zu veröffentlichen, ist prima und sinnvoll, denn so kann man das Büchlein auf dem Nachtkästchen deponieren und jede Woche des Jahres mit einer neuen kleinen Geschichte am Montagmorgen starten.
In den kurzen Erzählungen, die meist über zwei bis drei Seiten gehen, berichten Frauen aus ihrem eigenen Alltag, erzählen von ihren Problemen oder Zweifeln und wie sie diese lösen konnten oder sprechen über ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrem Glauben und mit Gott. Es sind kleine Episoden, die zum Nachdenken anregen, die Mut machen und inspirieren. Es sind gute Gedanken, stets auch durch einen passenden Bibelspruch ergänzt, auf den sich die jeweilige Geschichte bezieht.
„Damit Montage zu Lieblingstagen werden“, das ist der Wunsch der Herausgeberin. Mit diesen liebenswerten Geschichten ist schon einmal ein guter Start am Montag garantiert, und mit einem Blick auf das ordentliche Regal, wo Tassen und Müslischalen gut sortiert stehen und aufs Frühstück warten, starte ich „aufgeräumt“ in die neue Woche.

Ich finde, dieses schöne Buch eignet sich auch sehr gut als kleines Geschenk für eine gute Freundin oder einfach für einen Menschen, der einem nahe steht.
Kleiner Tipp: Schaut doch mal ins Lydia-Lädchen, dort gibt es nicht nur viele gute Geschenkideen, sondern auch regelmäßig neue "Montagsgedanken".


Samstag, 1. April 2017

Das war mein Lesemonat März 2017

Der März hat mir eine bunte Bücher-Auswahl beschert. 
Ich habe insgesamt acht Bücher gelesen, das waren 2648 Seiten. Also sind auch wieder acht Euro in meine Spar-Eule gewandert. 


Drei Rezensionen stehen noch aus und werden erst in den nächsten Tagen erledigt. Ich muss gestehen, dass ich momentan zwar keine Leseflaute, aber dafür eine Rezi-Flaute habe, was vermutlich daran liegt, dass mir so viel anderes im Kopf herumschwirrt. Das erste Viertel des Jahres war ganz schön stressig und hatte schon einige Aufregungen parat, und das wird vermutlich noch einige Zeit so weitergehen. Auf jeden Fall werden die Rezensionen in den nächsten Tagen nachgereicht, versprochen!

Es waren wieder einige wunderbare Bücher dabei. Enttäuschung gab es eigentlich gar keine, wie ihr ja an meinen vielen Sternen, die ich vergeben habe, schon sehen könnt.
Es ist mir gar nicht leicht gefallen, mich für einen absoluten Monatsfavoriten zu entscheiden, aber nach reiflichen Überlegungen ist es dann "Die heimliche Heilerin" geworden. Das war mal wieder so ein richtiger Pageturner, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Ausführlicher werde ich noch in meiner Rezension darüber berichten.




Und nun zu meinen Neuzugängen. "Die Blütensammlerin" von Petra Durst-Benning ist die Fortsetzung zu "Kräuter der Provinz" und "Das Weihnachtsdorf". Da mir beide Romane sehr gefallen haben, lese ich natürlich gerne weiter und bin gespannt, was der dritte Band der Maierhofen-Reihe zu bieten hat. 
"Die heimliche Heilerin und die Toten" habe ich bei Lovelybooks gewonnen. Zuerst dachte ich, es gibt eine Leserunde dazu, dann wäre ich gleich mit diesem Band (der bereits der dritte um die heimliche Heilerin ist) eingestiegen. Die beiden vorherigen Bände hatte ich schon hier stehen, und nachdem es sich rein um eine Buchverlosung gehandelt hat, habe ich beschlossen, die drei Bücher hintereinander in der chronologischen Reihenfolge zu lesen. Momentan habe ich Band 2 (Die heimliche Heilerin und der Medicus) angefangen.

Mit dem Manuskript auf dem unteren Foto hat mir der März ein weiteres Highlight beschert. Ich darf den neuen Roman von Rebecca Gablé, im Rahmen einer Vorab-Leserunde bei der Lesejury, lesen! Am Montag geht es los, und ich freue mich riesig, denn als großer Fan der Bücher von Rebecca Gablé bin ich schon sehr gespannt auf das Manuskript, das stolze 762 Seiten umfasst. Ich finde das Konzept der Leserunden bei Lübbe sehr gut, denn da gibt es insgesamt vier große Abschnitte, die jeweils wöchentlich gelesen werden. Das gefällt mir sehr, weil alle gemeinsam lesen und sich wöchentlich zeitnah austauschen. Auf diese Weise sind die Leserunden viel entspannter, weil keiner das Gefühl hat, Nachzügler zu sein. Ich werde dann noch ausführlich über den Roman berichten, bei dem es sich übrigens um die Fortsetzung zu "Das Haupt der Welt" handelt.


Ich wünsche euch allen einen schönen April und tolle Bücher sowie immer ein gemütliches Plätzchen zum Lesen.

Freitag, 31. März 2017

Die Nachtigall - Kristin Hannah



Der Roman schildert das Schicksal zweier Schwestern während der Zeit des zweiten Weltkriegs. Vianne und Isabelle sind Französinnen und müssen miterleben, wie ihr Heimatland immer mehr von den Deutschen eingenommen wird.
Die Mutter der Schwestern ist früh gestorben, und der Vater hat seine beiden Töchter abgeschoben, möchte nichts von ihnen Wissen. Isabelle und Vianne sind zwei gegensätzliche Charaktere, und so verschieden wie sie sind, so unterschiedlich gehen sie auch die Probleme ihrer Zeit an.
Viannes Mann wird irgendwo in Deutschland in einem Kriegsgefangenenlager festgehalten. So ist sie auf sich allein gestellt und setzt ihre ganzen Bemühungen ein, die schwere Zeit zusammen mit ihrer Tochter zu überleben. Sie ist kein mutiger Mensch, sondern sehnt sich einfach nur nach Frieden und wünscht sich, ihr Mann möge zurück kommen. So versucht sie, sich anzupassen und möglichst unauffällig zu bleiben. Aber je länger der Krieg andauert, umso öfter gerät sie in brisante Situationen und macht auch Fehler im Umgang mit den deutschen Besatzern. Aber sie wächst letztendlich über sich selbst hinaus und beweist eine Stärke, von der sie selbst nicht gewusst hatte, dass sie in ihr steckt.
Ihre jüngere Schwester Isabelle ist eine Rebellin. Als sie, auf der Flucht vor den Deutschen, Paris verlässt, um zu Vianne zu gelangen, lernt sie Gäeton kennen. Der junge Mann ist ein Kämpfer der Résistance. Ohne zu zögern schließt sich Isabell dieser Bewegung an. Später macht sie als die „Nachtigall“ von sich reden. Sie führt abgeschossene Piloten der Alliierten über die Pyrenäen in die Freiheit. Keiner weiß, wer sich hinter dem Namen verbirgt, aber die Deutschen setzen alles dran, die geheimnisvolle Nachtigall zu finden.

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt und das Cover betrachtete, hatte ich noch eine völlig andere Vorstellung vom Inhalt. Der filigrane Zweig, auf dem die goldfarbene Nachtigall sitzt, deren Körper zugleich eine Ansicht von Paris im Sonnenuntergang zeigt, hat mich auf eine ganz andere Geschichte schließen lassen.
Erhalten habe ich das Buch überraschend, im Zuge einer Lovelybooks-Aktion, von der ich hier: http://klusiliest.blogspot.de/2016/08/uberraschungspost-von-lovelybooks-die.html berichtet habe.
Auch das ganze Beiwerk, die Goldplättchen im Paket, die goldene Feder als Lesezeichen, das alles deutete für mich eigentlich eher auf eine romantische Geschichte hin. Aber von Romantik ist im Roman ganz und gar nichts zu spüren. Zu hart und grausam ist die geschilderte Zeit, in der für die Liebe und für alles Schöne kein Platz war.
Anfangs hatte ich diverse Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu kommen. Ungefähr das erste Drittel hat sich für mein Empfinden etwas gezogen. Aber dann passiert so viel, die Ereignisse überschlagen sich, und man möchte immer nur weiterlesen, wird völlig von der Handlung vereinnahmt. Die Charaktere der Schwestern haben mir beide sehr gut gefallen, obwohl (oder gerade weil) sie so unterschiedlich sind. Vianne ist eher zurückhaltend in ihrer Art. Sie versucht, ihre Tochter zu beschützen und schlägt sich durch, im täglichen Kampf um die notwendigsten Dinge zum Überleben. Ich konnte sie gut verstehen, und so wie ihr, ging es sicher vielen Frauen damals. Sie wagt nicht, aufzubegehren, als ein deutscher Hauptmann bei ihr einquartiert wird. Isabelle, die zu dieser Zeit gerade bei ihrer Schwester im Haus lebt, kann sich nicht damit abfinden und sucht ständig die Konfrontation. Ihr Benehmen macht Vianne Angst, denn sie befürchtet, ein falsches Wort könnte sie alle in Gefahr bringen.
Bei Isabelle wusste ich teilweise nicht, ob ich ihren ungeheuren Mut bewundern oder über ihre draufgängerische Art den Kopf schütteln sollte.
Zwar spielt auch die Liebe bei den Protagonisten eine Rolle, aber diese ist in Zeiten des Kriegs ungewiss. Besonders an Isabelles Beispiel zeigt sich das sehr deutlich. Gerade ihr Schicksal hat mich letztendlich tief berührt.
Über die Zeit des zweiten Weltkriegs aus dieser Perspektive hatte ich vorher noch nicht viel erfahren Die meisten Berichte, die ich vorher gelesen hatte, spielten direkt in Deutschland oder waren aus dem Blickwinkel von Menschen, die einer damals verfolgten Bevölkerungsgruppe angehörten. Das Ausmaß des Leidens und der Einschränkungen der Bevölkerung Frankreichs während des Kriegs war mir bisher nie so bewusst geworden.
Kristin Hannah hat in diesem Roman, der ihr eine Herzensangelegenheit war, wie sie selbst im Nachwort schreibt, all den Frauen ein literarisches Denkmal gesetzt, die sich damals für Frieden und Freiheit eingesetzt haben, jede auf ihre persönliche Art. Es gab sicher viele ähnliche Schicksale, denen dieser Roman ein Andenken setzt.

Ich kann nicht sagen, dass mir der Roman „gefallen“ hat, zu schrecklich sind die damaligen Ereignisse, die geschildert werden und die leider einen nur allzu realen Hintergrund haben. Aber die Geschichte hat mich beeindruckt, erschüttert und mitgerissen, und sie klingt immer noch nach.  

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Montag, 27. März 2017

Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein - Thomas Frings


Klappentext:
Als Thomas Frings im Februar 2016 sein Amt als Pfarrer niederlegt, ins Kloster geht und diesen Schritt öffentlich erklärt, ist das Echo gewaltig. Nicht nur in den Medien, auch unter Amtsbrüdern und Gläubigen. Tausende Followers auf Facebook liken seinen Schritt. Sie spüren: Dort ist jemand, der nicht aus Trotz oder Angst, sondern aus tiefer Liebe zur Kirche eine solch schwere Entscheidung getroffen hat. Auch in seinem Buch redet Frings Klartext, benennt Missstände und gibt Einblick in sein Seelenleben als Pfarrer. Er kritisiert, zeigt aber auch neue Wege auf und liefert Erklärungen und Lösungsansätze. Für Thomas Frings ist klar: Kirche muss wieder mehr Kirche sein, wenn sie überleben will. Und: »Ich habe kein Problem. Ich bin voller Energie und liebe meine Kirche. Ich will nichts anderes sein als Priester. Aber so kann es nicht weitergehen.«
»Als ich schweren Herzens meine Gemeinde verlassen habe, da wurde ich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, der Hirte verlasse seine Herde. Doch musste ich in dem Moment nicht selber darauf reagieren, sondern ein älterer Herr ergriff das Wort und sagte: Das kann man selbstverständlich so sehen. Wenn jedoch auf den alten Wegen immer weniger Schafe mitgehen und man immer weniger weiß, wohin es gehen soll, dann muss es vielleicht auch Hirten geben, die die Herde einmal verlassen um vorauszugehen und nach neuen Wegen suchen.« (Thomas Frings)
»Was ich aber nicht verloren habe, ist der Glaube daran, dass es ein christliches Programm für unsere Gesellschaft gibt, für das es sich zu leben lohnt.« (Thomas Frings)

Mein Eindruck:
Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Ein Pfarrer legt sein Amt nieder und verlässt seine Gemeinde, um ins Kloster zu gehen. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, da sich viele Begriffe speziell auf die katholische Kirche beziehen bzw. nur dort zu finden sind, so ist mir doch die Thematik auch aus meiner evangelischen Gemeinde bekannt, und letztendlich ist die angesprochene Problematik konfessionsübergreifend. Mit leeren Kirchen haben wohl die meisten christlichen Gemeinden zu kämpfen. Der Autor berichtet, zum Teil recht humorvoll, wenn auch immer mit einem leichten Anflug von Sarkasmus, aus seinem Alltag als Gemeindepfarrer. Was er da so alles erlebt hat, lässt einen häufig mit dem Kopf schütteln, zu seltsam, manchmal regelrecht kurios, sind teilweise die Wünsche seiner Schäfchen.
Man hat den Eindruck, so mancher verwechselt seine Kirche mit einem Service- und Dienstleistungsbetrieb. Insofern kann ich die Klagen durchaus verstehen, und bei vielen Erläuterungen hat mir der Autor aus dem Herzen gesprochen.
Allerdings bin ich mir nun, nach Beendigung der Lektüre, nicht unbedingt sicher, ob die Entscheidung, sich aus dem Amt des Pfarrers zurückzuziehen, wirklich Sinn macht. Thomas Frings liebt seine Kirche, wie er schreibt. Er hat auch den Glauben an ein christliches Programm für die Zukunft anscheinend nicht verloren, und doch wirken seine Ausführungen zum Teil mutlos. Einerseits kann ich seine Reaktion gut verstehen, und sein Entschluss ist sicher nicht spontan gefallen. Aber da ist ja auch noch die Krux mit dem fehlenden Nachwuchs. Wie soll es weitergehen, wenn auch die erfahrenen Pfarrer aufgeben? Wenn das Beispiel des Autors Schule macht, haben wir bald nicht nur schrumpfende Gemeinden, sondern irgendwann gar keine mehr. Wäre es nicht besser, die Energie, die nötig war, dieses Buch zu schreiben, für Verbesserungen in der Zukunft umzusetzen? Wie Herr Frings schreibt, scheint seine Gemeinde (zumindest ein verständiger Teil davon) durchaus gut auf Kritik oder Vorschläge reagiert zu haben. Wäre es nicht besser, gerade für diese Gemeindemitglieder weiterhin verfügbar zu sein?
So ganz bin ich nicht dahinter gekommen, ob der Autor seinen Rückzug nur als befristete Auszeit sieht, oder als endgültige Entscheidung. Ersteres könnte ich durchaus verstehen, denn dann wäre das eine gute Gelegenheit Kraft zu sammeln, um dann mit neuer Energie und mit frischen Ideen zurück zu kehren.
So ganz hat dieses Buch meine Erwartungen nicht erfüllt, denn die Kritik ist durchaus nachvollziehbar und absolut berechtigt, aber ich hätte mir etwas mehr Vorschläge für Lösungsansätze gewünscht.

Ein Ärgernis war für mich bei der Lektüre das teilweise recht oberflächliche Lektorat. Da gab es viele Halbsätze, andere Sätze wurden völlig sinnfrei durch einen Punkt getrennt, und manche Formulierung war so umständlich, dass ich sie oft mehrfach lesen musste, um den korrekten Sinn zu erfassen. Diese Fehler im Text machen das Lesen nicht gerade zu einer reinen Freude.  
👍👍👍