Freitag, 30. September 2016

Das war mein Lesemonat September 2016

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Im September 2016 habe ich sieben Bücher gelesen, das waren 2124 Seiten

Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder   4sterne
Robert C. Marley: Inspector Swanson und der magische Zirkel   5sterne
Sabine Tetzner: Geliebter Geist   4sterne
Alexandra Doerrier: Die Lukasbrüder   4sterne
Wendy Wallace: Im Land der goldenen Sonne   5sterne
Birgit Jasmund: Luther und der Pesttote   4einhalbsterne
Debbie Macomber: Wolkenküsse   5sterne

Mit meiner Lese-Auswahl bin ich sehr zufrieden, denn es war kein Flop dabei, dafür aber lauter gute bis sehr gute Bücher. In der Liste oben könnt ihr schon mal meine Bewertungen sehen, auch wenn für drei Bücher noch die Rezensionen fehlen, die jedoch in den nächsten Tagen gepostet werden.

Und mein Monats-Favorit kommt diesmal aus dem Bereich der historischen Krimis:

Robert C Marley – Inspector Swanson und der magische Zirkel

Neu eingezogen sind in der zweiten Monatshälfte vier Bücher:

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Die beiden Bücher links im Bild sind ertauscht, oben rechts ist ein Buch aus der Facebook-Überraschungsgruppe, und “Das Weihnachtsdorf” kam als Rezensionsexemplar ins Haus. Hierbei handelt es sich um die Fortsetzung zu “Kräuter der Provinz”, auf die ich mich schon sehr freue, denn wie ich Petra Durst Benning kenne, hat sie sich wieder einiges einfallen lassen, und schon das Cover sieht richtig stimmungsvoll aus, finde ich.

Für interessante Lektüre ist also wieder reichlich gesorgt. Ich wünsche euch allen einen wundervollen, goldenen Oktober mit genügend Zeit zum ausgiebigen Schmökern und natürlich mit tollen Büchern.

Montag, 26. September 2016

Die Lukasbrüder - Alexandra Doerrier

Jünger der Kunst - Freiheit in einem goldenen Rahmen



Wien 1810: Die vier jungen Kunststudenten Friedrich Overbeck, Konrad Hottinger, Franz Pforr und Ludwig Vogel empfinden ihr Studium an der Wiener Akademie der Künste als unbefriedigend. Sie streben nach Höherem, nach der wahren, christlichen Kunst. Auf den Spuren von Raffael Santi wollen sie wandeln. Entschlossen lassen sie Wien hinter sich und begeben sich auf die Reise nach Italien. Rom ist ihr Ziel, und dort wollen sie ihre Träume umsetzen. Sie begründen einen heiligen Bund, die Lukasbruderschaft. In einem Kloster wollen sie leben und sich ganz der romantisch-christlichen Malerei widmen. Aber ihre weiteren Vorstellungen vom Leben und von der Kunst gehen weit auseinander. Während Overbeck, völlig vergeistigt, regelrecht dogmatische Vorstellungen hat, wie das gemeinsame klösterliche Leben stattfinden soll und sich total in der Malerei verliert, möchte Hottinger das Leben genießen. Er ist auch weltlicher Schönheit und den irdischen Genüssen nicht abgeneigt, und er sieht noch den lebendigen Menschen hinter dem Bild. Vogel steht irgendwo dazwischen, und Franz Pforr, der schon in Wien stark an Tuberkulose litt, erholt sich auch im warmen Italien nicht und verfällt zusehends. Die gemeinsamen Ideale geraten ins Wanken und der Lukasbund scheint an den unterschiedlichen Vorstellungen zu zerbrechen.

Alexandra Doerrier erzählt hier eine wahre Geschichte, denn die Protagonisten ihres historischen Romans haben wirklich gelebt. Die Nazarener, wie die Künstler ihrer langen Haare wegen genannt wurden, haben damals eine neue Kunstrichtung geprägt. Besonders für Overbeck war das Malen wie ein Gebet. Er sieht in seiner Kunst die persönliche Freiheit, während sich seine Freunde, besonders Hottinger, von den strengen Vorgaben eingeengt fühlen. Die Differenzen, die sich zwischen den jungen Künstlern anbahnen, sind sehr authentisch geschildert.
Der Roman ist aus Hottingers Perspektive in Ich-Form geschrieben. Dadurch wird einem gerade seine persönliche Sicht der Dinge gut verständlich nahe gebracht.

Die im Roman angesprochenen Bilder sind zum Teil heute sehr bekannt und in den großen Galerien der Welt zu finden. Besonders die Entstehungsgeschichte von Overbecks „Italia und Germania“, ein Werk, das ich erst vor einigen Monaten im Original betrachten konnte, ist sehr interessant dargestellt und erklärt.

Der schöne, plastische Schreibstil vermittelt die besondere Atmosphäre Italiens zur damaligen Zeit. Der Roman lebt vor allem durch seine ausdrucksstarken Reisebeschreibungen, die leidenschaftlichen Schwärmereien und durch die teils sehr philosophisch geprägten Dialoge der Kunstjünger. Liebhaber gut recherchierter historischer Romane, insbesondere diejenigen, die sich auch für die bildende Kunst der Renaissance interessieren, werden sicher Gefallen an diesem außergewöhnlichen Buch finden.



Montag, 19. September 2016

Geliebter Geist - Sabine Tetzner


Angela, Vollzeit-Hausfrau, liebende Ehefrau und vierfache Mutter kümmert sich selbstlos um das Wohl ihrer Lieben. Dankbarkeit erntet sie nicht dafür, aber sie sieht es als selbstverständlich an und ist mit ihrem Leben zufrieden. Nur, dass ihre geliebte Oma, bei der sie nach dem Tod ihrer Eltern aufwuchs, nun schwer krank geworden ist, belastet Angela sehr. Dann muss die Familie die Mietwohnung räumen, weil der Besitzer Eigenbedarf angemeldet hat. Allerdings kommt ihr nun ein unverhoffter Nachlass zur Hilfe, denn Angela hat ein altes Haus geerbt. Es wird im nahen Dorf gemunkelt, dass es dort spuken soll, und wenig später lernt Angela auch den weiteren Bewohner ihres Hauses kennen. Es ist der gut aussehende Sebastian, und er ist ein Geist. Ob das auf Dauer gut geht? Wohl kaum, denn Sebastian kann ganz schön lästig werden, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt.

Angela ist viel zu gut für diese Welt. Sie opfert sich regelrecht für ihre Familie auf und wird dafür auch noch angemault. Besonders ihr Mann Klaus ist ein richtiger Unsympath, der nur zu nörgeln hat und dem sie nichts recht machen kann. Die verschiedenen Charaktere sind zwar extrem, aber sie wirken trotzdem nicht überzeichnet, sondern sind glaubwürdig, denn solche Familienkonstellationen wie hier sind sicher keine Seltenheit. Auch wenn ich Angela gerne ab und zu aufgerüttelt hätte, weil ich nicht verstehen konnte, wieso sie sich so mies behandeln lässt, so hatte sie doch mein volles Mitgefühl, besonders weil sie sich Sorgen um ihre Oma macht. Die Angst um einen geliebten Menschen lässt andere Probleme schon manchmal in den Hintergrund treten und schwächt meist die Wehrhaftigkeit. So konnte ich Angelas Reaktionen schon nachvollziehen. Wunderschön ist die zarte Annäherung mit Sebastian beschrieben. Das Schicksal des Geistes aus dem 16. Jahrhundert ist ebenfalls sehr berührend.

„Geliebter Geist“ ist ein Roman, den man schnell durchgeschmökert hat, denn hier gibt es keine langatmigen Passagen, sondern es geschieht eigentlich ständig etwas in Angelas Umfeld, und der flotte Schreibstil liest sich gut weg. Die eigentlich realistische Geschichte erhält durch den kleinen mystischen Touch, in Form von Geist Sebastian, die richtige Würze.

Der Roman ist kurzweilig und kann auch mit feinem Humor aufwarten, entbehrt jedoch auch nicht einer gewissen Dramatik. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, lediglich am Ende ging mir alles ein wenig zu schnell. Da hätte ich nur allzu gerne noch weiter gelesen.